Zitat:
Und genau das habe ich an keiner Stelle gesagt!
Na, dann ist ja gut.
Zitat:
Zitat:
Und solange es nicht möglich ist, die Arbeitsproduktivität auf anderem Wege zu gewährleisten als durch Ausnutzung des Wertgesetzes, muß man dieses ausnutzen.
Der Sozialismus soll also mit kapitalistischen Methoden aufgebaut werden?
Warenproduktion ist nicht gleich Kapitalismus, sondern der Kapitalismus ist eine besondere Form der Warenproduktion. Nicht gegen das Wirken des Wertgesetzes zu wirtschaften, schafft weder eine neue Klasse von Kapitalisten noch Ausbeutung noch die Zersplitterung des Arbeitsprozesses in Privatarbeiten, sondern ist ganz einfach Ausdruck dessen, was Marx "Ökonomie der Zeit" genannt und Lenin als unumgänglich beschrieben hat: effektives, produkives Wirtschaften.
Man sollte eigentlich den Unterschied zwischen Warenproduktion und Kapitalismus kennen, wenn man in Anspruch nimmt, über dieses Thema urteilen zu können.
Ich sage, was ich bereits sagte, noch deutlicher: Es hat sich in der wirtschaftlichen Praxis der sozialistischen Gesellschaft gezeigt, daß mit der Einführung der Planung das Wertgesetz nicht zu wirken aufhörte. Die Vorstellung, man könne die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit dann bereits im Produktionsprozeß messen, hat sich als falsch erwiesen. Und solange das der Fall war - d.h.:
solange keine andere Möglichkeit gab, den gesellschaftlichen Schnitt der notwendigen Arbeitszeit zu errechnen - mußte man die Wertform dazu nutzen. Alles andere hätte in den Untergang geführt.
Zitat:
Es gab einen privatwirtschaftlichen Sektor auch in der DDR. Dieser war zwar teilweise in die wirtschaftliche Organisation des Staates eingebunden, aber doch niemals so, daß es nur noch volkseigene Betriebe gegeben hätte.
Die privatwirtschaftlichen Betriebe waren nicht "teilweise", sondern vollständig in den Plan eingebunden. Die unternimmst eine Gleichsetzung zwischen Eigentums- und Planverhältnis, obwohl es zwischen beiden keinen logischen Zusammenhang gibt. Die Planmäßigkeit wird nicht dadurch erhöht, daß der Vergesellschaftungsgrad erhöht wird, sondern allein bessere Planung erhöht die Planmäßigkeit.
Zitat:
In vielen Bereichen wurde er auch bewußt am Leben gehalten, z.B. durch die Verpachtung von Gaststätten durch die HO.
Es war in manchen Bereichen notwendig, die Produktion klein zu halten. Nehmen wir z.B. die Bäcker. Qualitativ hochwertigere Brötchen stellen erfahrungsgemäß nur kleine Bäckereien her, weil sie mit überschaubaren Mengen und dem Knowhow des Bäckerhandwerks arbeiten; außerdem backen sie vor Ort, womit die Brötchen frisch bleiben etc. Das können Großbäckereien nicht leisten. Sie produzieren also schlechter.
Dieses Beispiel soll nicht dazu dienen, Modell für die gesamte Wirtschaft zu sein, aber es soll verdeutlichen, daß es Bereiche gibt, in denen sich kleinere Formen von Produktion als günstiger erweisen. Damit hat man in der DDR zeitweise gearbeitet. Aber man hat nie reprivatisiert, sondern lediglich das, was an Privatproduzenten da war, genutzt und die Vergesellschaftung langsamer ablaufen lassen.
Die Gefahr einer Rekapitalisierung bestand dabei nicht. 1. nämlich, weil alle diese Betriebe verbindlich in die Planung eingebunden waren und eben keine Möglichkeiten zur anarchischen Produktion hatten; und 2. weil es diesen Kleinproduzenten nicht möglich war zu wachsen. Es gab gesetzliche Bestimmungen, die für den Fall, daß Handwerker mehr Leute einstellten, die Steuern so weit erhöhte, daß sich das für ihn nicht oder kaum lohnte. Man war daran interessiert, die privaten Betriebe in Handel und Handwerk klein zu halten und tat das auch. Abgesehen davon gewannen auch in diesen Bereichen die Produktionsgenossenschaften zunehmend an Bedeutung.
Zitat:
Wie war es denn eigentlich in der Sowjetunion mit ausländischen Firmen? Soweit mir bekannt ist, hatten deutsche Flugzeugbauer in der Sowjetunion Firmen in privater Hand.
Zur Zeit der NEP gab es ausländisches Kapital, danach, soweit mir bekannt, nicht mehr. Aber auch zur Zeit der NEP war die Investition von ausländischem Kapital an strenge Richtlienien gebunden.
Zitat:
Das Wertgesetz baut auf der Warenproduktion auf. Warenproduktion baut auf verschiedene Eigentümer und dem Markt auf, für den produziert wird. Das ist schon bei Marx beschrieben. Es ist auch schon bei Marx beschrieben, dort wo verschiedene Sachen produziert werden, aber sie den selben Eigentümer haben, sind diese Sachen keine Waren. Gehört alles dem Abstraktum Volk, sind die produzierten Sachen keine Waren, da sie denselben Eigentümer haben. Damit also die Waren aufhören Waren zu sein, ist es notwendig, das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben.
Bei Marx steht es etwas anders: "Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebner Privatarbeiten sind."
Privatarbeit ist nicht identisch mit Privateigentum. Eigentum ist eine juristische Kategorie, die von Marx in den "Grundrissen" noch verwendet, im "Kapital" aber zurecht ausgeschlossen wurde. Die Warenproduktion ist viel älter als das geschriebene Gesetz, denn sie entspringt nicht aus der juristischen Festlegung von Privatbesitz, sondern aus dem praktischen Aneignungsverhältnis der Privatarbeiten. Privatarbeiten sind ihrem Charakter nach dadurch bestimmt, daß sie vom gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang lösgelöste Produktionseinheiten sind, die aber dennoch nicht autark sind, also in demselben gesellschaftlichen Zusammenhang stehen, mit dem sie, insofern sie produzieren, nichts zu tun haben wollen. Da nun aber dieser gesellschaftliche Zusammenhang, insofern produziert wird, nicht besteht, aber insofern verbraucht wird, doch, muß er sich einen Weg suchen, und folglich realisiert er sich in der Sphäre der Zirkulation, und zwar durch die Wertform. Es ist dieser verlorene Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion, der den Charakter der Privatarbeiten ausmacht, und nicht der Umstand, daß irgendwo ein Grundbuch liegt, in dem steht, wem welche Immobilien gehören usw. Die juristischen Phänomene kommen viel später in der Geschichte, und daraus wird nun auch deutlich, warum die Warenproduktion nicht einfach dadurch verschwindet, daß man alle Privateigentümer enteignet. Die Warenproduktion verschwindet erst, wenn der verlorengegangene Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion wiederhergestellt ist. Und das gelingt nur durch eine gesamtgesellschaftliche Planung. Die Planung hat diese Funktion, die Zersplitterung des Produktionsprozesses aufzuheben, und damit, so ging Marxens Rechnung, ist der gesellschaftliche Zusammenhang bereits in der Sphäre der Produktion hergestellt, und es ist somit nicht mehr nötig, diesen im Nachhinein (durch die Wertform) herzustellen.
Soweit Marx, bis hierhin habe ich ausschließlich referiert, was bei ihm steht. Es ist wichtig, das genau zu begreifen. Wenn man nicht genau begriffen hat, wie Marx die Warenproduktion erklärt, wird man auch nicht verstehen, warum er zu dem Schluß gekommen ist, daß sie mit dem Planungszusammenhang verschwinden wird. Und ebensowenig wird man dann begreifen, warum das Wertgesetz mit der Vergesellschaftung der Produktion (im Sinne einer bloß juristischen Überführung des Privateigentums in Staatseigentum) nicht aufgehört hat, Geltung zu haben, d.h. warum es weiter nötig war, auf die Wertform zurückzugreifen.
Zitat:
gehört es zu den Aufgaben einer sozialistischen Gesellschaft, die Reste des Privateigentums an Produktionsmitteln aufzuheben, damit die Reste der Warenwirtschaft und damit auch das Wertgesetz aufzuheben.
Es gehört zu den Aufgaben der sozialistischen Gesellschaft: einerseits die volle Vergesellschaftung durchzuführen, andererseits dieses Prozeß jedoch in dem Grade voranzutreiben, in dem die Gesellschaft es verträgt. Wenn die Rechnung so simpel wäre, wie du sagst, dann gab es 1917 keinen Grund, nicht gleich alles zu vergesellschaften. Dann gäbe überhaupt auch keinen Grund für eine Übergangsgesellschaft, wie der Sozialismus eine sein soll. Dann könnte man aus dem Stand den Kommunismus begründen. Doch das hat man mit gutem Grund nicht gemacht.