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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 18. Jun 2007, 15:32 
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Beiträge: 3987
Bekanntermaßen war ja die Lage der Wirtschaft in der DDR im sozialistischen Staatenblock eine der oder sogar die beste.

:laola:

Warum war das so? Was machten wir in der DDR so besser als Polen, Tschechien, Ungarn oder Bulgarien?

:redstar161:

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Fr 22. Jun 2007, 20:59 
Literat

Beiträge: 2915
Schade eigentlich, daß keiner außer mir die Antwort weiß.

Nun denn:

Es gibt hierauf zwei Antworten: 1. die bessere Ausgangslage; 2. Ulbrichts Wirtschaftspolitik.

(2. hat natürlich auch ein wenig mit 1. zu tun, denn ein Land, das sich in einem frühen Stadium des industriellen Aufbaus befindet, ist für das NÖS sicher weniger geeignet.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Fr 22. Jun 2007, 21:07 
Literat

Beiträge: 2915
Noch mal, was die bessere Ausgangslage angeht: Gemeint sind natürlich nicht die Kriegschäden, sondern den Grad der Industrialisierung. Die Industrialisierung in die Breite und die Spitz setzt in Deutschland fast 100 Jahre früher ein als z.B. in der Sowjetunion. Wenn Stalin immer sagte, die SU müsse einen Rückstand von 100 Jahren in 10 Jahren aufholen, dann war das natürlich auf das Produktionsvolumen und die Leistung der wichtigsten Produkte bezogen. Ein ganz anderes Problem ist die allmähliche Wirkung, die eine Industrialisierung in einem Land ausübt. Wenn eine Industrie 100 Jahre Zeit hat, bildet sie in der Gesellschaft eine logistisches und infrastrukturelles Umfeld aus. Einheitliche Maßsysteme, Normen, Straßen- und Verkehrsnetze, gesetzliche Regelungen usw. usf. Diesen Fortschritt kann man auch bei der klügsten Wirtschaftspolitik nicht in zehn Jahren herstellen, wenn er 100 dauern muß. Und an diesem Reifegrad fehlte es allen sozialistischen Ländern, mit Ausnahme der DDR, weil sie als Teil von Deutschland bereits vor der gesellschaftlichen Umstrukturierung industrialisiert war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: So 24. Jun 2007, 13:19 
Administrator
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Beiträge: 3987
Ok, die bessere Ausgangslage ist verständlich. Trotzdem hörte man immer wieder, dass es z.B. in Polen an elementarsten Dingen wie Fleisch fehlte. Oder an die Tschechen kann ich mich ncht gut erinnern, die sich hier regelrecht auf Butter&Milch stürzten. Warum kam es immer wieder zu solchen Mangelerscheinungen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: So 24. Jun 2007, 18:57 

Beiträge: 55
Hallo,
ich glaube nicht, daß wir in der DDR etwas besser machten als andere soz. Länder.
Wir machten nur vieles anders, was dann eben für die DDR "besser" aussah.
Besonders in der Wirtschaft (nicht mit Kneipe verwechseln) hatten die sog. "deutschen Tugenden" eine nicht zu unterschätzende Wirkung.
Doch es waren auch eine Reihe von Faktoren (NumaPompilius nannte schon einige), die gerade in der DDR ihre Wirkung zeigten (z.B. Nationales Aufbauwerk, Nationale Front, das Ziel, wirklich etwas Neues zu wollen).
In den anderen Ländern wollten viele nach dem Kriege dort beginnen, wo sie vor dem faschistischen Krieg aufgehört hatten - erstarken bürgerlicher Ideologien war die Folge und somit auch eine endlose Diskussion über Wege und Ziele.

Was mich z.B. an den DDR-Bürgern maßlos ank****** war, daß mangelnde oder fehlende "Nationalbewußtsein", der fehlende Stolz auf etwas erreichtes. Nicht nur im Verhältnis zu anderen soz. Ländern, sondern auch gegenüber der BRD.

Nur mal heute kurz etwas in die Runde geworfen.
Stark bleiben!


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: So 24. Jun 2007, 19:23 
Administrator
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Beiträge: 1954
Jedes der beiden System, die sich im Kalten Krieg gegenüberstanden, brauchte und hatte sein Schaufenster. Das dies die DDR und die BRD waren, hatte sicher mehrere Gründe. Da will ich bestimmte "Tugenden" nicht ausschließen. Doch dies würde die Situation noch lange nicht erklären.

Ich sehe es auch so, dass der Grad der Industrialisierung und der Entwicklungsstand des Proletariats neben einer sehr klugen Politik von W. Ulbricht entscheidendere Gründe waren. Die wirtschaftliche Entwicklung in den 50-zigern war auf dem Territorium der DDR besser. Das diese Entwicklung nicht so weiterlief, darf man sicher Chruschtschow und Nachfolgenden "Reformern" gern mit anrechnen.

Ein Marschallplan war keine Wohltätigkeitsveranstaltung der USA u.a., sondern eine notwendige Reaktion auf die Erfolge der DDR und auch die
kostengünstigere Variante, als ein aushungertes Westdeutschland für sehr lange Zeit am "Tropf" zu haben.
Das das Kapital bereits länger als 20 Jahre international wirkte und gern beide kriegsführenden Seiten mit Kriegstechnik versorgte, sollte man nicht außer acht lassen.
Die wirklichen Kriegsverantwortlichen und Kriegsgewinnler standen nach 1945 nicht vor Gerichten, wie sie auch heute vor keinem Gericht stehen. Es sind immer die Helfershelfer (meist aus kleinbürgerlichem Umfeld), die den "Dummen" geben und am Ende gehenkt werden. Sicher zu recht, aber dahinter oder darüber "Stehende" hätten diesen Abgang erst recht verdient. Das wird jedoch vor einer erfolgreichen proletarischen Revolution nicht geschehen. Denn vorher werden die Machtinstrumente des Kapitals nicht angetastet oder gar abgeschafft.

Was Polen betrifft, gab es hier im Forum bereits mal einen Beitrag zu Fragen der Kollektivierung in der polnischen Landwirtschaft. Dieser hat die Situation recht gut dargestellt. Das Zurückdrehen der Kollektivierung und die Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe ist sicher eine der wesentlichen Ursachen für die schlechte Entwicklung der polnischen Landwirtschaftsproduktion.

Apropos Schaufenster ... seit 1989 ist man fleißig dabei, diese Schaufenster nicht nur zu zerstören, sondern alle sozialen Leistungen in Folge dieser Politik zurück zu nehmen und als Utopien und Fehlentwicklungen darzustellen.

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Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mi 27. Jun 2007, 10:05 
Administrator
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Beiträge: 3987
Numa, vielleicht kannst Du ja mal, wenn es Deine Zeit erlaubt, ein paar entscheidende Eckpunkte von Walter Ulbrichts Wirtschaftspolitik erläutern?

Das der Mann die Lage klar analysieren konnte, geht ja auch aus seinem Brief an Chruschtschow über die besonderen Schwierigkeiten in der Wirtschaft der DDR und die Senkung des Produktionszuwachses hervor.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mi 27. Jun 2007, 15:42 
Literat

Beiträge: 2915
Zitat:
wenn es Deine Zeit erlaubt


Ja, aber das wird diese Woche nüscht mehr. Wenn dann schreibe ich einen ordentlichen Text und für sowas brauche ich ein paar Stunden, die ich zur Zeit nicht habe.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 17. Jul 2007, 09:18 

Beiträge: 11
Hier einige Gedanken zur Einordnung in ein Gesamtbild:
Entscheidender Faktor: Arbeitsproduktivität
Bereits im Jahre 1920(?) hat Lenin hat in seinem Werk „Die Große Initiative“ darauf verwiesen und begründet, dass die gegenüber den kapitalistischen Ländern höhere Arbeitsproduktivität das entscheidende für den Sieg der neuen Gesellschaft ist. Daraus lässt sich heute eine ganz entscheidende Schlußfolgerung ableiten: Ein einzelnes oder auch eine Gruppe von Ländern, die noch keine hohe industrielle Entwicklungsstufe erreicht haben, können nicht langfristig bei einer kapitalistischen Umkreisung erfolgreich den Sozialismus aufbauen. Das hat der Klassengegner wohl erkannt. Nicht zuletzt deshalb hat er den kalten Krieg forciert, um mit seiner Hochrüstungspolitik die sozialistischen Länder zu Rüstungsanstrengungen zu zwingen, durch die sie letztlich tot gerüstet wurden. Das haben die chinesischen Kommunisten offensichtlich erkannt und richten ihre Hauptanstrengungen darauf, international ein hohes industrielles Niveau zu erreichen einschließlich wissenschaftlich- technischer Spitzenleistungen.

Eigentum an Produktionsmitteln
Das Eigentum an Produktionsmitteln ist das massgebliche Kriterium für den Charakter einer Gesellschaftsordnung. In den Ländern das Staatssozialismus wurde das allgemeine Volkseigentum neben dem besonders in der Landwirtschaft und auch im Handwerk sich entwickelndem genossenschaftlichen Eigentum die vorherrschende Form. Es wird hier zu erläutern sein, dass dieses allgemeine Volkseigentum den Eigentümer von seinem Eigentum entfremdete, dass der Eigentümer dies nicht als sein Eigentum betrachtete. Daraus läßt sich dann auch ableiten, dass die Methoden der materiellen Interessiertheit nicht gegriffen haben. Langfristig gesehen, war dies in der Landwirtschaft mit dem genossenschaftlichen Eigentum anders. Die Genossenschaftsbauern waren sehr wohl daran interessiert, ihr Eigentum zu mehren, zu pflegen und auch zu schützen. Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ableiten, dass gesellschaftliches Eigentum an Produktionsmitteln nicht notwendiger weise allgemeines Volkseigentum ein muß. Hier sollten die Fachökonomen, die in den DDR-Instituten und wissenschaftlichen Einrichtungen umfangreiche Forschungen betrieben haben, endlich ihre Archive öffnen und sich an der Diskussioin um die geeignetsten Formen des gesellschaftlichen Eigentum besonders in der Industrie, bemühen.

Notwendig:
Gedanken weiter vertiefen

stubbi


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 17. Jul 2007, 19:56 
Literat

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Hallo stubbi, schöner Beitrag. Der Lenin-Satz ist von 1919.

Zitat:
Gedanken weiter vertiefen


Tue ich seit Jahren. Gerade auch zu diesem Thema.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 24. Jul 2007, 08:27 

Beiträge: 11
NumaPompilius hat geschrieben:
Hallo stubbi, schöner Beitrag. Der Lenin-Satz ist von 1919.

Zitat:
Gedanken weiter vertiefen


Tue ich seit Jahren. Gerade auch zu diesem Thema.



Ich habe mit Vertiefung begonnen. Dazu ausführliche Thesen zur Diskussion auf meiner Homepage http://www.arbeiterbewegung-diskussionsforum.de

Das geht aber noch weiter. Bitte habt Geduld.
St :redstar161: :redstar161:
stubbi


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Fr 2. Nov 2007, 18:39 
Administrator
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Beiträge: 1954
Wie soll man zukünftig etwas besser machen können, wenn man nicht gelernt hat, was bereits geschehen ist, welche Erfahrungen gemacht wurden und was dabei nicht geklappt hat? Ja, klingt auch wieder alles ganz einfach.

Jeder der sich schon mal ernsthaft auf die Suche nach Fakten, Wahrheiten und ehrlichen Meinungen begeben hat, kann viel davon berichten, dass dies keinesfalls einfach ist. Auch deshalb schließen sich interessierte, suchende Menschen zu Interessengruppen zusammen und diskutieren ihre Erfahrungen in Foren wie diesem.

Wie tief die Diskussionen gehen, hängt von den Erfahrungen, dem Bildungsstand (vor allen ML-Theorie) und eigenen Fähigkeiten ab. Da ist naturgegeben nicht jeder Mensch gleich gut mit allen Fähigkeiten ausgestattet. Je mehr wir werden, die über soz. Geschichte, Gegenwart und Zukunft diskutieren, desto größer sind die Chancen, dass wir wirklich Brauchbares lernen, erkennen und in Zukunft umsetzen können.

Das es auch heute vor allen bei denen, die unter den Wiedersprüchen der kap. Ordnung zu leiden haben, Interessierte für das Gestern, Heute und einem besseren Morgen gibt, ist sicher nicht verwunderlich. Auch eine hochgezüchtete Medienmaschinerie kann nicht alle negativen Auswirkungen des Kapitalismus ausgleichen. An einem bestimmten Punkt beginnen die Menschen Fragen zu stellen, nachzudenken und nach Gleichgesinnten zu suchen. Ein langer und sicher schwieriger Prozeß. Aber auch ein lohnender Prozeß.
:redstar161: :redstar164: :redstar161: :redstar160: :redstar164:

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 5. Nov 2007, 15:47 

Beiträge: 19
Dr. G. Schürer hat geschrieben:
Es ist für mich wirklich erstaunlich zu lesen, dass sich in der heutigen Zeit wirklich noch jemand für unsere Wirtschaftspolitik
interessiert. Wenn aber alles so einfach zu erklären wäre...


Warum den nicht schließlich war die DDR ein Teil meines Lebens und sicher auch vieler hier im Forum Versammelter. Wie war es nun um die Wirtschaft der DDR bestellt? Vielleicht so wie hier beschrieben:

30. Oktober 1989
Gerhard Schürer, Gerhard Beil, Alexander Schalck, Ernst Höfner und Arno Donda: "Vorlage für das Politbüro des ZK der SED. Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen"

http://www.bstu.bund.de/cln_043/nn_9256 ... __nnn=true

RotFront udet


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 5. Nov 2007, 16:44 

Beiträge: 462
Diese Analyse ist nun echt harter Tobak, vorrausgesetzt die Autoren hatten selber kein Interresse an einer solch negativen Bestandsaufnahme.
Jedenfalls sieht man welch ein Irrsinn hinter der Verschuldungs- und Konsumtionspolitik gewisser Leute steckt. Am wichtigsten ist doch die Frage: Warum haben sich die Verantwortlichen so lange davor gescheut die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 5. Nov 2007, 19:06 
Administrator
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Beiträge: 1954
sven hat geschrieben:
Diese Analyse ist nun echt harter Tobak, ...

Warum haben sich die Verantwortlichen so lange davor gescheut die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen?


Harter Tobak in Bezug worauf?
Diese Analyse konnte nicht innerhalb weniger Tage erarbeitet werden. Das waren z.Teil schon recht lang bekannte Fakten. Das es ein Mißverhältnis zwischen Akkumulation und Konsumtion gab wurde mitte/ende der 70ziger festgestellt. Es war auch bekannt, dass dieses Verhältnis in Japan genau umgekehrt war. Nun soll nicht die japanische, kap. Wirtschaft als das Wirtschaftsmodell für die DDR gepriesen werden. Auch die Japaner haben mit den üblichen Krisen dieser Ordnung zu kämpfen. Aber es war zumindest einen Denkanstoß wert. Wenn man sich diesen nun als noch junger und recht naiver Genosse erlaubte, hatte man nicht mit der schroffen Reaktion seines Parteisekretärs gerechnet. Einen weiteren Denkanstoß auf dieser Ebene habe ich mir dann auch für immer verkniffen. Wenn Dir gesagt wird, dass die führenden Genossen besser als ich junger Aufmüpf wissen, was richtig ist, dann hätte ich gefälligst das Vertrauen in diese Genossen zu haben und ende der Diskussion.

Walter Ulbricht wurde durch Revisionisten abgelöst. Die waren von sich so überzeugt, dass sie gar keinen Grund sahen, irgend etwas zu verändern. Als es nicht mehr zu übersehen war, waren diese über allen stehenden Genossen alters- und gesundheitsmäßig nicht mehr in der Lage, gegenzusteuern. Wie auch? Sie hatten es nicht gelernt. Es ist letztendlich die Summe sehr vieler politischer und in Folge wirtschaftlicher Fehler, die diese Misere heranwachsen sah. Der schlimmste davon war die Aufgabe des Klassenkampfes und die Versöhnung mit dem Gegner. Eine Politik, die Chruschtschow und seine Anhänger in die Wege geleitet hatten und die ein Gorbatschow mit einem Säufer Jelzin an der Seite vollendet hat.

Doch auch im zum Zeitpunkt dieser Analyse sah man keinen anderen Ausweg, als den Revisionismus noch weiter voran zu treiben und sich letztendlich vollständig in die Arme des Gegners zu werfen. Was anderes war von den nunmehr an die Macht gekommenen Gorbatschowanhändern nicht zu erwarten gewesen.

Eine andere Lösung hätte sicher auch eine andere politische Führung in der SU erforderlich gemacht. Mit der letztendlich angestrebten und durchgeführten 100%-tigen Verbrüderung mit Gorbatschow und seinen umgebenenden Verrätern, war das Schicksal der DDR endgültig besiegelt.

Das ein anderer Weg denk- und machbar ist, hat Kuba gezeigt. Der Verrat am Sozialismus hatte unvorstellbare negative Auswirkungen auf die kubanische Wirtschaft und den ohnehin armen Lebensstandard der Kubaner. Dennoch sind sie auf ihrem schweren Weg geblieben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 6. Nov 2007, 00:27 
Administrator
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Beiträge: 3987
gewe hat geschrieben:
Das ein anderer Weg denk- und machbar ist, hat Kuba gezeigt. Der Verrat am Sozialismus hatte unvorstellbare negative Auswirkungen auf die kubanische Wirtschaft und den ohnehin armen Lebensstandard der Kubaner. Dennoch sind sie auf ihrem schweren Weg geblieben.


Hier ist aber wieder darauf hinzuweisen, dass den meisten Kubanern klar ist, was eine Konterrevolution bedeuten würde. Nämlich nicht den Lebenstandard der US-Amerikaner sondern der Lateinamerikas. In der DDR glaubten dagegen die Menschen, es gänge ihnen so toll, wie es den Menschen in der BRD angeblich geht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 6. Nov 2007, 01:15 
Meister des virtuellen Pinsels
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Beiträge: 686
Zitat:
Hier ist aber wieder darauf hinzuweisen, dass den meisten Kubanern klar ist, was eine Konterrevolution bedeuten würde. Nämlich nicht den Lebenstandard der US-Amerikaner sondern der Lateinamerikas. In der DDR glaubten dagegen die Menschen, es gänge ihnen so toll, wie es den Menschen in der BRD angeblich geht.


Ganz zu schweigen von den Sowjet Republiken und Ostblock Staaten.

Auch wenn es nicht ganz hier hineinpasst erwähne ich es mal in dem angesprochenen Zusammenhang.
(Artikel aus der aktuellen UZ Seite 10 / Internationale Politik - Freitag, 2. November 2007)
Sowjetsystem in Russland am populärsten

Ginge es nach der Mehrheit der Bevölkerung, müsste in Russland die sowjetische Staatsordnung und die Planwirtschaft wieder eingeführt werden. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Levada-Zentr ergab, dass die Sowjetordnung nach wie vor populärer ist als das heutige System oder die westliche Staatsordnung. Bei der Umfrage erklärten 35%, sie würden als politisches System das der Sowjetunion bevorzugen. Das gegenwärtige Staatsmodell befriedigt hingegen nur 27%. Für eine Demokratie nach westlichen Vorbild votierten 19%. Hinsichtlich des Wirtschaftssystems stimmten 47% für ein Mischsystem von Plan- und Marktwirtschaft. 24% wünschen sich die Totale Planwirtschaft zurück.

Mich würde aber mal interessieren wie solch eine Erhebung aussehen würde, wenn man alle Sowjetrepubliken mit einbezieht und nicht nur Russland allein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 26. Nov 2007, 10:17 

Beiträge: 134
Mal was anderes, wir hatten doch in der DDR die Planwirtschaft.
Nun gibt oder gab es die sozialistische Marktwirtschaft? Weis jemand etwas darüber?
Ich kann mich nur daran erinnern, das es eine Theorie/Studie über die sozialistische Marktwirtschaft gab. Und zwar soll die der polnische Volkswirtschaftler Oskar Ryszard Lange aufgestellt haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 26. Nov 2007, 18:47 
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Beiträge: 1954
Das ist ein weites Thema. Ich würde empfehlen, suche bitte im Forum danach.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 26. Nov 2007, 19:22 
Literat

Beiträge: 2915
Das Thema ist v.a. nicht leicht. Es dreht sich viel um die Frage, ob Plan- und Marktwirtschaft sich ausschließen oder nicht. Es gibt da unterschiedliche Auffassungen. Marx hatte die Vorstellung, daß mit der Einführung der Planung das Wertgesetz verschwinde. Seine Rechnung ging so: Warenproduktion ist das Resultat eines Zustandes, in dem durch die Existenz vieler Privatarbeiten der gesellschaftliche Zusammenhang der Arbeiten erst im Nachhinein - im Warentausch nämlich - hergestellt werden kann; hierzu bedarf es der Form der Ware. Wenn jedoch, so Marx weiter, dieser verlorene Zusammenhang durch Planung schon im Produktionsprozeß hergestellt wird, dann verschwindet die Notwendigkeit, ihn im Nachhinein herzustellen, und also verschwindet die Warenprioduktion. Das war theoretische folgerichtig gedacht, aber es hat sich später als falsch (bzw. zu einfach) herausgestellt. Es war unbestreitbar, daß im Sozialismus Warenproduktion existiert. So hat Stalin das 1952 als erster deutlich ausgesprochen und die Existenz der Warenprdoduktion aus der Existenz unterschiedlicher Wirtschaftsektoren erklärt; d.h.: zwischen verschiedenen Eigentumsformen (staatlicher und privater Form nämlich) bleibt das Wertgesetz bestehen, nicht aber innerhalb der Sektoren. Bei Ulbricht findet man dann darüberhinaus die Festellung, daß das Wertgesetz auch innerhalb der Sektoren erhalten bleibt. Damit war dann die Frage gestellt, ob es eine sozialistische Warenproduktion als Rudiment der vorsozialistischen Warenproduktion gibt, oder ob es sich dabei um eine neues dem sozialistischen System wesentliches Produktionsverhältnis handelt. Oder anders ausgedrückt: Ist das Wertgesetz allgemein der Ausdruck von Arbeitsteilung oder speziell der Zersplitterung des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses in Privatarbeiten? Oder noch anders ausgedrückt: Ist die sozialistische Warenproduktion eine Übergangserscheinung, die sich mit der Zeit auflöst, oder ist sie bereits die historische Gestalt dessen, was Marx "Ökonomie der Zeit" genannt hat.

Diese Frage ist seit den sechziger Jahren immer wieder diskutiert worden, in der UdSSR, in der DDR, und auch heute noch, v.a. in Offen-siv, wo sich alerdings seit etwa 2003 auch ausgesprochene Paranoiker wie Hermann Jacobs rumtreiben, denen zwar jedes Verständnis für das Thema fehlt, die aber diesen Mangel dadurch wettmachen, daß sie mehr schreiben als alle anderen. Es ist so ungefähr der Versuch, das Wertgesetz aus der Geschichte hinauszubrüllen. Das standing der ökonomischen Theorie und die praktischen Erfahrung sind jedoch nicht so beschaffen, daß man einfach jeden, der die Frage nach dem Fortbestehen der Warenproduktion nicht mit einem eindeutigen Nein beantwortet, des Revisionismus zeihen kann.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Mo 26. Nov 2007, 22:36 

Beiträge: 134
gewe hat geschrieben:
Das ist ein weites Thema. Ich würde empfehlen, suche bitte im Forum danach.

Leider nichts gefunden!
Mir ging es ja nur darum, ob jemand über diese Studie was weis und wie sie evtl. aussieht, weniger um den Unterschied.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2007, 07:09 

Beiträge: 105
@Numa
Es ist nicht richtig, daß Marx zu einfach gedacht hätte, als er sagte, daß die Warenproduktion mit dem Plan verschwinden würde. Das war schon richtig so. Aber die Kernfrage ist doch die, ob man die gesamtgesellschaftliche Planwirtschaft, die alle Bereiche erfaßt, sofort oder erst nach einer bestimmten Entwicklungszeit errichtet.
Stalin hat geschrieben, daß die Warenproduktion noch teilweise fortbesteht. Damit meinte er aber nicht, daß sie immer fortbesteht, sondern er machte darauf aufmerksam, daß es sie noch gibt und daß man sie weiter zurückdrängen muß. Z.B. wäre es nicht zweckmäßig gewesen, eine LPG, die zwar anfangs noch als eine richtige Genossenschaft gelten konnte, aber mit der Zeit durch die zunehmende Entfremdung der Landbevölkerung von der Landarbeit nicht mehr den Charakter ebendieser Genossenschaft hatte, weiterhin als Warenproduzenten bestehen zu lassen. Zu Stalins Zeit wäre es wohl noch möglich gewesen, eine sowjetische Kolchose aufzulösen, und die Bauern hätten ihren Hof allein bewirtschaften können. In der DDR Ende der 1970er Jahre war dies nicht mehr möglich. Eine stärkere Einbeziehung dieser landwirtschaftlichen Unternehmen in den gesamtgesellschaftlichen Plan wäre besser möglich gewesen.
Stalin hat es richtig aufgezeigt, daß die Warenproduktion im Sozialismus zeitweilig weiterbesteht. Aber die Manifestierung der Warenproduktion als Grundlage des Sozialismus oder aber die Behauptung, die Warenproduktion hätte auch im Sozialismus dauerhaften Bestand, sind glatter Revisionismus.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2007, 10:12 
Literat

Beiträge: 2915
Zitat:
Es ist nicht richtig, daß Marx zu einfach gedacht hätte, als er sagte, daß die Warenproduktion mit dem Plan verschwinden würde. Das war schon richtig so.


Allein die Wirklichkeit weigerte sich, der Anordnung Folge zu leisten.

Zitat:
Aber die Kernfrage ist doch die, ob man die gesamtgesellschaftliche Planwirtschaft, die alle Bereiche erfaßt, sofort oder erst nach einer bestimmten Entwicklungszeit errichtet.


Sie wurde ziemlich bald eingerichtet. In Rußland gab es die NEP, aber danach existierte eine gesamtgesellschaftliche Planung. Der kollektivwirtschaftliche und staatliche Sektor waren beide fest in den Plan eigebunden, und trotzdem existierte zwischen ihnen ein Warenproduktionsverhältnis. In der DDR gab es die gesamtgesellschaftliche Planung durchgängig. Es gab zu keiner Zeit einen Weg zurück: weder eine Auflösung des gesamtgesellschaftlichen Plans noch eine Reprivatisierung der Wirtschaft.

Zitat:
Stalin hat geschrieben, daß die Warenproduktion noch teilweise fortbesteht. Damit meinte er aber nicht, daß sie immer fortbesteht, sondern er machte darauf aufmerksam, daß es sie noch gibt und daß man sie weiter zurückdrängen muß.


Das ist bekannt. Ich habe nicht behauptet, daß Stalin von der ewigen Existenz des Wertgesetzes überzeugt war, sondern daß er konstatiert hat, daß es noch existiert; und zwar, wie ich nun hinzufüge, daß es noch eine Weile existieren wird. Er hat nämlich davon abgeraten, den Sektor der Kollektivwirtschaft einfach aufzusaugen und hat im übrigen, wie mit ihm später zu verfahren sei, offengelassen. Vorerst sollte er, so wie er war, bestehen bleiben. Insoweit hatte er auch recht, aber sein Fehler lag darin, nicht deutlich genug betont zu haben, daß man die Existenz des Wertgesetzes, wenn man es schon nicht einfach beseitigen kann, ausnutzen muß. Im Wertgesetz enthalten ist nämlich das Problem der Arbeitsproduktivität, die bekanntlich eine lebenswichtige Maßgabe der Ökonomie ist. Und solange es nicht möglich ist, die Arbeitsproduktivität auf anderem Wege zu gewährleisten als durch Ausnutzung des Wertgesetzes, muß man dieses ausnutzen. Andernfalls passiert das, was den Sozialismus schließlich zugrunde gerichtet hat: Mißwirtschaft. Denn das passiert, wenn man an der Wirklichkeit vorbeiadministriert.

Das Problem der sozialistischen Gesellschaft besteht also nicht allein darin, möglichst schnell in kommunistische Verhältnisse überzuleiten, sondern das so zu tun, daß dabei die wirtschaftliche Stabilität und Prosperität, ohne die der Sozialismus in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus verloren wäre, zu gewährleisten.

Zitat:
Z.B. wäre es nicht zweckmäßig gewesen, eine LPG, die zwar anfangs noch als eine richtige Genossenschaft gelten konnte, aber mit der Zeit durch die zunehmende Entfremdung der Landbevölkerung von der Landarbeit nicht mehr den Charakter ebendieser Genossenschaft hatte, weiterhin als Warenproduzenten bestehen zu lassen. Zu Stalins Zeit wäre es wohl noch möglich gewesen, eine sowjetische Kolchose aufzulösen, und die Bauern hätten ihren Hof allein bewirtschaften können.


Hierzu zweierlei:

1. sah Stalin es offenkundig nicht als möglich an, noch zu seinen Lebzeiten, das Kollektiveigentum aufzulösen. Anders lassen sich seine Ausführungen von 1952 nicht verstehen.

2. zeigt dein Beispiel, daß du falsche Vorstellungen davon hast, was unter Vergesellschaftung verstanden wurde. Was du beschreibst - daß nämlich der Kolchos aufglöst werden soll und die Bauern "ihren Hof allein" zu bewirtschaften haben - das ist das ganze Gegenteil von Vergesellschaftung. Das wäre der Weg zurück. Nämlich hin zum Privateigentum ("ihren Hof") und heraus aus dem Planverhältnis ("allein"), und daraus wäre unvermeidlich eine Entwicklung gefolgt, die in Kapitalverhältnissen und mit der Herausbildung der Kulaken geendet hätte. Genau das wollte Stalin nicht, und - nebenbei gesagt - genau das haben Tito, Gomulka und teilweise auch Chruschtschow betrieben. Stalin dagegen verstand unter Vergesellschaftung der Landwirtschaft in etwa eine Anpassung derselben an die Verhältnisse des Industriesektors (d.h. Staatseigentum, Landarbeiter statt Kollektiveigentümer). Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, daß Stalin das voläufige Fortbestehen des Kollektiveigentum mit dem Hinweis auf den mangelnden Stand der Produktivkräfte rechtfertigte. Erst wenn Verhältnisse herrschen, die etwa dem Stand der Produktivkräfte in England entsprechen, sei daran zu denken, zur vollen Vergesellschaftung überzugehen.

Zitat:
Stalin hat es richtig aufgezeigt, daß die Warenproduktion im Sozialismus zeitweilig weiterbesteht. Aber die Manifestierung der Warenproduktion als Grundlage des Sozialismus oder aber die Behauptung, die Warenproduktion hätte auch im Sozialismus dauerhaften Bestand, sind glatter Revisionismus.


Diese Äußerung ist eine wunderbare Gelegenheit, noch einmal zu betonen, was ich oben schon schrieb: Das standing der ökonomischen Theorie und die praktischen Erfahrungen sind nicht so beschaffen, daß man einfach jeden, der die Frage nach dem Fortbestehen der Warenproduktion nicht mit einem eindeutigen Nein beantwortet, des Revisionismus zeihen kann.

Die Frage, auch das wiederhole ich, ob das Wertgesetz infolge der Zersplitterung des Arbeitsprozesses oder infolge von Arbeitsteilung auftritt, ist eben gerade nicht geklärt. Ich kann, was ihre Beantwortung angeht, deinem Beitrag nicht ein einziges Argument entnehmen. Nur eben die Versicherung, daß es so ist. Also, weil du so große Worte sprichst, stelle ich dir die Frage: Warum ist die Vorstellung, daß das Wertgesetz dem Sozialismus wesentlich ist, Revisionismus? Wozu übrigens auch die Frage geklärt sein muß, was Revisionismus ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2007, 12:38 

Beiträge: 105
Zitat:
2. zeigt dein Beispiel, daß du falsche Vorstellungen davon hast, was unter Vergesellschaftung verstanden wurde. Was du beschreibst - daß nämlich der Kolchos aufglöst werden soll und die Bauern "ihren Hof allein" zu bewirtschaften haben - das ist das ganze Gegenteil von Vergesellschaftung. Das wäre der Weg zurück. Nämlich hin zum Privateigentum ("ihren Hof") und heraus aus dem Planverhältnis ("allein"), und daraus wäre unvermeidlich eine Entwicklung gefolgt, die in Kapitalverhältnissen und mit der Herausbildung der Kulaken geendet hätte.


Und genau das habe ich an keiner Stelle gesagt! Ich habe an keiner Stelle gesagt, daß die Auflösung von Kolchosen oder LPGen eine Vergesellschaftung darstellt.
Was ich gesagt habe, ist lediglich, daß sich der ökonomische Charakter der Kolchose, wie sie z.B. Anfang der 1930er Jahre existiert hat, und der LPG Ende der 1970er Jahre verschiedene waren. Bei der Kolchose, wie sie z.B. Scholochow in "Neuland unterm Pflug" beschreibt, ist es für die Bauern ohne weiteres möglich, die Kolchose aufzulösen, und sie können dann ohne Probleme alleine wirtschaften. Hier haben wir noch den klassischen ökonomischen Charakter der Genossenschaft.
Die LPG hatte schon einen anderen ökonomischen Charakter, da der Zusammenschluss irreversibel war, weil die klassischen Arbeitskräfte eines Bauernhofes - die eigene Familie - zum größten Teil in anderen Berufen tätig waren und der Landwirtschaft entwöhnt waren.
Auf der einen Seite der Kolchos, der wieder auflösbar war, auf der anderen Seite die LPG, die schon zu einem wirtschaftlichen Ganzen zusammengewachsen war.

Zitat:
Und solange es nicht möglich ist, die Arbeitsproduktivität auf anderem Wege zu gewährleisten als durch Ausnutzung des Wertgesetzes, muß man dieses ausnutzen.


Der Sozialismus soll also mit kapitalistischen Methoden aufgebaut werden?

Zitat:
Sie wurde ziemlich bald eingerichtet. In Rußland gab es die NEP, aber danach existierte eine gesamtgesellschaftliche Planung. Der kollektivwirtschaftliche und staatliche Sektor waren beide fest in den Plan eigebunden, und trotzdem existierte zwischen ihnen ein Warenproduktionsverhältnis. In der DDR gab es die gesamtgesellschaftliche Planung durchgängig. Es gab zu keiner Zeit einen Weg zurück: weder eine Auflösung des gesamtgesellschaftlichen Plans noch eine Reprivatisierung der Wirtschaft.


Es gab einen privatwirtschaftlichen Sektor auch in der DDR. Dieser war zwar teilweise in die wirtschaftliche Organisation des Staates eingebunden, aber doch niemals so, daß es nur noch volkseigene Betriebe gegeben hätte.
In vielen Bereichen wurde er auch bewußt am Leben gehalten, z.B. durch die Verpachtung von Gaststätten durch die HO.

Wie war es denn eigentlich in der Sowjetunion mit ausländischen Firmen? Soweit mir bekannt ist, hatten deutsche Flugzeugbauer in der Sowjetunion Firmen in privater Hand.

Das Wertgesetz baut auf der Warenproduktion auf. Warenproduktion baut auf verschiedene Eigentümer und dem Markt auf, für den produziert wird. Das ist schon bei Marx beschrieben. Es ist auch schon bei Marx beschrieben, dort wo verschiedene Sachen produziert werden, aber sie den selben Eigentümer haben, sind diese Sachen keine Waren. Gehört alles dem Abstraktum Volk, sind die produzierten Sachen keine Waren, da sie denselben Eigentümer haben. Damit also die Waren aufhören Waren zu sein, ist es notwendig, das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben. Wenn es also notwendig ist, das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben, um die Warenwirtschaft aufzuheben, hebt man gleichzeitig auch das Wertgesetz auf. Da der Sozialismus die Vorstufe zum Kommunismus ist und noch teilweise Privateigentum an Produktionsmittel existiert, gilt das Wertgesetz auch noch teilweise, aber nicht mehr umfassend. Da es aber so ist, daß es im Kommunismus kein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt, gehört es zu den Aufgaben einer sozialistischen Gesellschaft, die Reste des Privateigentums an Produktionsmitteln aufzuheben, damit die Reste der Warenwirtschaft und damit auch das Wertgesetz aufzuheben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Wirtschaft der DDR
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2007, 13:49 
Literat

Beiträge: 2915
Zitat:
Und genau das habe ich an keiner Stelle gesagt!


Na, dann ist ja gut.

Zitat:
Zitat:
Und solange es nicht möglich ist, die Arbeitsproduktivität auf anderem Wege zu gewährleisten als durch Ausnutzung des Wertgesetzes, muß man dieses ausnutzen.


Der Sozialismus soll also mit kapitalistischen Methoden aufgebaut werden?


Warenproduktion ist nicht gleich Kapitalismus, sondern der Kapitalismus ist eine besondere Form der Warenproduktion. Nicht gegen das Wirken des Wertgesetzes zu wirtschaften, schafft weder eine neue Klasse von Kapitalisten noch Ausbeutung noch die Zersplitterung des Arbeitsprozesses in Privatarbeiten, sondern ist ganz einfach Ausdruck dessen, was Marx "Ökonomie der Zeit" genannt und Lenin als unumgänglich beschrieben hat: effektives, produkives Wirtschaften.

Man sollte eigentlich den Unterschied zwischen Warenproduktion und Kapitalismus kennen, wenn man in Anspruch nimmt, über dieses Thema urteilen zu können.

Ich sage, was ich bereits sagte, noch deutlicher: Es hat sich in der wirtschaftlichen Praxis der sozialistischen Gesellschaft gezeigt, daß mit der Einführung der Planung das Wertgesetz nicht zu wirken aufhörte. Die Vorstellung, man könne die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit dann bereits im Produktionsprozeß messen, hat sich als falsch erwiesen. Und solange das der Fall war - d.h.: solange keine andere Möglichkeit gab, den gesellschaftlichen Schnitt der notwendigen Arbeitszeit zu errechnen - mußte man die Wertform dazu nutzen. Alles andere hätte in den Untergang geführt.

Zitat:
Es gab einen privatwirtschaftlichen Sektor auch in der DDR. Dieser war zwar teilweise in die wirtschaftliche Organisation des Staates eingebunden, aber doch niemals so, daß es nur noch volkseigene Betriebe gegeben hätte.


Die privatwirtschaftlichen Betriebe waren nicht "teilweise", sondern vollständig in den Plan eingebunden. Die unternimmst eine Gleichsetzung zwischen Eigentums- und Planverhältnis, obwohl es zwischen beiden keinen logischen Zusammenhang gibt. Die Planmäßigkeit wird nicht dadurch erhöht, daß der Vergesellschaftungsgrad erhöht wird, sondern allein bessere Planung erhöht die Planmäßigkeit.

Zitat:
In vielen Bereichen wurde er auch bewußt am Leben gehalten, z.B. durch die Verpachtung von Gaststätten durch die HO.


Es war in manchen Bereichen notwendig, die Produktion klein zu halten. Nehmen wir z.B. die Bäcker. Qualitativ hochwertigere Brötchen stellen erfahrungsgemäß nur kleine Bäckereien her, weil sie mit überschaubaren Mengen und dem Knowhow des Bäckerhandwerks arbeiten; außerdem backen sie vor Ort, womit die Brötchen frisch bleiben etc. Das können Großbäckereien nicht leisten. Sie produzieren also schlechter.

Dieses Beispiel soll nicht dazu dienen, Modell für die gesamte Wirtschaft zu sein, aber es soll verdeutlichen, daß es Bereiche gibt, in denen sich kleinere Formen von Produktion als günstiger erweisen. Damit hat man in der DDR zeitweise gearbeitet. Aber man hat nie reprivatisiert, sondern lediglich das, was an Privatproduzenten da war, genutzt und die Vergesellschaftung langsamer ablaufen lassen.

Die Gefahr einer Rekapitalisierung bestand dabei nicht. 1. nämlich, weil alle diese Betriebe verbindlich in die Planung eingebunden waren und eben keine Möglichkeiten zur anarchischen Produktion hatten; und 2. weil es diesen Kleinproduzenten nicht möglich war zu wachsen. Es gab gesetzliche Bestimmungen, die für den Fall, daß Handwerker mehr Leute einstellten, die Steuern so weit erhöhte, daß sich das für ihn nicht oder kaum lohnte. Man war daran interessiert, die privaten Betriebe in Handel und Handwerk klein zu halten und tat das auch. Abgesehen davon gewannen auch in diesen Bereichen die Produktionsgenossenschaften zunehmend an Bedeutung.

Zitat:
Wie war es denn eigentlich in der Sowjetunion mit ausländischen Firmen? Soweit mir bekannt ist, hatten deutsche Flugzeugbauer in der Sowjetunion Firmen in privater Hand.


Zur Zeit der NEP gab es ausländisches Kapital, danach, soweit mir bekannt, nicht mehr. Aber auch zur Zeit der NEP war die Investition von ausländischem Kapital an strenge Richtlienien gebunden.

Zitat:
Das Wertgesetz baut auf der Warenproduktion auf. Warenproduktion baut auf verschiedene Eigentümer und dem Markt auf, für den produziert wird. Das ist schon bei Marx beschrieben. Es ist auch schon bei Marx beschrieben, dort wo verschiedene Sachen produziert werden, aber sie den selben Eigentümer haben, sind diese Sachen keine Waren. Gehört alles dem Abstraktum Volk, sind die produzierten Sachen keine Waren, da sie denselben Eigentümer haben. Damit also die Waren aufhören Waren zu sein, ist es notwendig, das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben.


Bei Marx steht es etwas anders: "Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebner Privatarbeiten sind."

Privatarbeit ist nicht identisch mit Privateigentum. Eigentum ist eine juristische Kategorie, die von Marx in den "Grundrissen" noch verwendet, im "Kapital" aber zurecht ausgeschlossen wurde. Die Warenproduktion ist viel älter als das geschriebene Gesetz, denn sie entspringt nicht aus der juristischen Festlegung von Privatbesitz, sondern aus dem praktischen Aneignungsverhältnis der Privatarbeiten. Privatarbeiten sind ihrem Charakter nach dadurch bestimmt, daß sie vom gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang lösgelöste Produktionseinheiten sind, die aber dennoch nicht autark sind, also in demselben gesellschaftlichen Zusammenhang stehen, mit dem sie, insofern sie produzieren, nichts zu tun haben wollen. Da nun aber dieser gesellschaftliche Zusammenhang, insofern produziert wird, nicht besteht, aber insofern verbraucht wird, doch, muß er sich einen Weg suchen, und folglich realisiert er sich in der Sphäre der Zirkulation, und zwar durch die Wertform. Es ist dieser verlorene Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion, der den Charakter der Privatarbeiten ausmacht, und nicht der Umstand, daß irgendwo ein Grundbuch liegt, in dem steht, wem welche Immobilien gehören usw. Die juristischen Phänomene kommen viel später in der Geschichte, und daraus wird nun auch deutlich, warum die Warenproduktion nicht einfach dadurch verschwindet, daß man alle Privateigentümer enteignet. Die Warenproduktion verschwindet erst, wenn der verlorengegangene Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion wiederhergestellt ist. Und das gelingt nur durch eine gesamtgesellschaftliche Planung. Die Planung hat diese Funktion, die Zersplitterung des Produktionsprozesses aufzuheben, und damit, so ging Marxens Rechnung, ist der gesellschaftliche Zusammenhang bereits in der Sphäre der Produktion hergestellt, und es ist somit nicht mehr nötig, diesen im Nachhinein (durch die Wertform) herzustellen.

Soweit Marx, bis hierhin habe ich ausschließlich referiert, was bei ihm steht. Es ist wichtig, das genau zu begreifen. Wenn man nicht genau begriffen hat, wie Marx die Warenproduktion erklärt, wird man auch nicht verstehen, warum er zu dem Schluß gekommen ist, daß sie mit dem Planungszusammenhang verschwinden wird. Und ebensowenig wird man dann begreifen, warum das Wertgesetz mit der Vergesellschaftung der Produktion (im Sinne einer bloß juristischen Überführung des Privateigentums in Staatseigentum) nicht aufgehört hat, Geltung zu haben, d.h. warum es weiter nötig war, auf die Wertform zurückzugreifen.

Zitat:
gehört es zu den Aufgaben einer sozialistischen Gesellschaft, die Reste des Privateigentums an Produktionsmitteln aufzuheben, damit die Reste der Warenwirtschaft und damit auch das Wertgesetz aufzuheben.


Es gehört zu den Aufgaben der sozialistischen Gesellschaft: einerseits die volle Vergesellschaftung durchzuführen, andererseits dieses Prozeß jedoch in dem Grade voranzutreiben, in dem die Gesellschaft es verträgt. Wenn die Rechnung so simpel wäre, wie du sagst, dann gab es 1917 keinen Grund, nicht gleich alles zu vergesellschaften. Dann gäbe überhaupt auch keinen Grund für eine Übergangsgesellschaft, wie der Sozialismus eine sein soll. Dann könnte man aus dem Stand den Kommunismus begründen. Doch das hat man mit gutem Grund nicht gemacht.

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