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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Fr 31. Aug 2007, 22:08 

Beiträge: 78
Gerade habe ich den Artikel über den 17.Juli aus der Mai-Ausgabe von offen-siv gelesen. Sehr interessanter Artikel und das Schlusswort fand ich sehr bewegend:
Zitat:
Erst spätere Generationen werden begreifen, welche große historische Leistung die DDR vollbracht hat, dass sie 40 Jahre lang es geschafft hat, sich dem gierigen Zugriff westlicher Konzerne zu entziehen und trotz aller Armut für die Bevölkerung ein, wenn auch nicht luxuriöses, so doch ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, das in moralischer Hinsicht den westlichen Wertvorstellungen weit überlegen war, und das viele DDR-Bürger heute schmerzlich vermissen.
Man darf westdeutschen Bürgern keinen Vorwurf machen, wenn viele von ihnen das nicht verstehen. Was man nicht selbst erlebt hat, kann man nur schwer beurteilen. Einverstanden, das Angebot an Konsumptionsmitteln hat sich mit der Eingliederung der DDR in die BRD erheblich verbessert. Das ist ohne Frage ein großes Positivum. Aber Lebensqualität ist nicht nur Konsum. Lebensqualität das ist auch ein Leben frei von Existenzangst, das ist auch ein gesicherter Arbeitsplatz, das ist auch eine für alle erschwingliche Freizeitgestaltung bei Sport, Kultur und Erholung, das sind Ferienheime, Kulturhäuser und Jugendclubs, das ist auch eine nahezu kostenlose liebevolle Betreuung der Jüngsten in Kindergärten und Krippen, das ist auch eine niedrige Kriminalität, das sind auch gleiche Entwicklungschancen für alle. Nehmen wir das Bildungssystem. Es war dem heutigen föderalen Bildungssystem um ein ganzes Jahrhundert voraus. Einverstanden, nicht jeder konnte Medizin studieren, was eine sehr lukrative Ausbildungsrichtung war, wie es unsere ehemalige Familienministerin unter Kohl, Frau Nolte
gerne gewünscht hätte. Sie musste, welche Grausamkeit, Biologie studieren. Heute bekommen Zigtausende nicht einmal eine Lehrstelle. Nehmen wir das Gesundheitswesen. Ein durchgängiges kostenloses Impfsystem ließ Krankheiten wie Pocken, Masern, Kinderlähmung, Tbc weitgehend verschwinden, Krankheiten die heute in der BRD wieder auf dem Vormarsch sind. Frei von Motiven der Gewinnsucht wurde eine bestmögliche und effektive und kostenlose medizinische Versorgung auf der Basis von Polikliniken gewährleistet.
Eine ganz besondere Fürsorge der DDR galt den Kindern und der Jugend. Jede Familie konnte es sich leisten, ihre Kinder für wenig Geld in Ferienlager zu schicken, wo sich die Kinder unbekümmert vom Geldbeutel der Eltern für ein paar Wochen bei Sport und Spiel erholen konnten, und das zum Teil an Plätzen, die heute nur noch der high society zugänglich sind.
Einverstanden, in der DDR konnte man keine Politiker lächerlich machen, was die heutigen Politiker nicht stört. Sie machen ohnehin, was sie wollen, bzw. was das Kapital will.. Aber dafür stand in der Verfassung der DDR das Recht auf Arbeit, ein elementares Lebensrecht für alle jene, die nichts anderes besitzen als ihre Arbeitskraft, und das ist die Mehrheit der Bevölkerung. Ohne das Recht auf Arbeit gibt es keine wirkliche Freiheit. Daß dieses Recht in der Verfassung
der BRD nicht enthalten ist, zeigt die ganze Verlogenheit dieser freiheitlich demokratischen Ordnung. Freiheit gibt es in der BRD nur für die Reichen. Sie stellen zu allem Überdruß diesen Reichtum auch noch demonstrativ zur Schau. Lieschen Müller darf sich dann im Fernsehen ansehen, wie diese mal schnell mit dem Jet nach Paris fliegen und für ein paar Millionen ein bisschen shoppen. Der arbeitende Werktätige aber ist praktisch rechtlos. Mit der Mütze in der Hand steht er vor dem Unternehmer oder der Behörde und muß betteln, dass er arbeiten darf und dafür noch viele Belastungen auf sich nehmen, die dem DDR-Bürger fremd waren. Tut er dasnicht, dann ab in Hartz 4.
Und noch ein Verdienst ist untrennbar mit der DDR verbunden. Vom Boden der DDR ging nie ein Krieg aus, kein Soldat der DDR hat je in feindlicher Absicht fremden Boden betreten.Heute führt Deutschland wieder in fremden Ländern Krieg, befindet sich wieder in unseliger Tradition. Man ist wieder wer und fordert sogar einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Die Pläne der USA sind aufgegangen.


Leider habe ich die DDR auch nur in meinen ersten 4 Lebensjahren erlebt. Aber das lässt sich nun auch nicht mehr ändern.
Vielleicht könnt ihr ja noch mehr Vorzüge der DDR aufzählen.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mo 3. Sep 2007, 11:04 

Beiträge: 105
irgendeiner hat geschrieben:
Leider habe ich die DDR auch nur in meinen ersten 4 Lebensjahren erlebt. Aber das lässt sich nun auch nicht mehr ändern.
Vielleicht könnt ihr ja noch mehr Vorzüge der DDR aufzählen.


Nenn doch mal den gesellschaftlichen Bereich, in denen Du Vorzüge der DDR gegenüber der BRD lesen willst.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mo 3. Sep 2007, 13:33 
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kortschagin hat geschrieben:
Nenn doch mal den gesellschaftlichen Bereich, in denen Du Vorzüge der DDR gegenüber der BRD lesen willst.


:popcorn:

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mo 3. Sep 2007, 16:10 

Beiträge: 105
Naja, die Vorzüge beim Biertrinken waren wohl nicht so bedeutend. Jedenfalls nachdem, was man vom Hören-Sagen kennt. :denknach:

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Di 4. Sep 2007, 20:10 

Beiträge: 78
Mein Wissen über die DDR beziehe ich aus 4 Quellen:
a) Verwandte und Bekannte
b) Bücher
c) Schule
d) Medien

Während ich meinen Verwandten die Geschichten über die DDR glaube, bin ich bei Büchern sehr vorsichtig. Einige Historiker haben einen sehr einseitige Perspektive.
Das was ich in der Schule in Geschichte über die DDR erfahren habe war einfach nur Propaganda und den Medien traue ich überhaupt nicht.
Deswegen wollte ich von euch wissen, was ihr im Vergleich mit der heutigen brd besser findet (und was schlechter). Es geht mir um den Alltag, das soziale Miteinander.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mi 5. Sep 2007, 18:08 

Beiträge: 2008
Nach 40 Jahren DDR und 17 Jahren realkapitalistischer BRD könnte ich es mir einfach machen und sagen: alles.
Das ist aber erstens nicht glaubwürdig und zweitens unfair gegenüber den Menschen, die die Zeit meiner 40 Jahre DDR in der BRD ertragen mußten. Ich rede nicht von den Nutznießern dieser Gesellschaft, sondern von denen, die täglich schuften waren, um sich und ihre Familien zu ernähren.
Klar hatten sie zum großen Teil einen höheren Lebensstandard, als ich in der DDR - wenn man es an der Konsumtion festmacht.

Für mich waren andere Dinge wichtiger.
- 40 Jahre ohne Krieg
- 40 Jahre einen garantierten Arbeitsplatz und soziale Sicherheit
- 40 Jahre Bildung für mich und meine Kinder ohne immense Kosten
- 40 Jahre kostenlose Gesundheitsbetreuung (wenn auch nicht auf bundesdeutschen Höchstniveau)
- 40 Jahre das gute Gefühl, in der besseren Gesellschaft zu leben und mehr für die Zukunft der Menschen zu tun
- 40 Jahre bezahlbare Kultur auf höchsten Niveau
- 40 Jahre wirkliche Solidargemeinschaft
- 40 Jahre konsequenter Kampf gegen diese elende Nazibrut
- 40 Jahre Unterstützung des antiimperialistischen Kampfes
- 40 Jahre ohne Drogen und AIDS
- 40 Jahre ohne BILD und all die Gazetten
Alles zusammen einfach:
- 40 Jahre das Glück, eine neue Gesellschaftsordnung kennen und erleben zu können.

Ich wünschen es allen ehrlichen Menschen auf diesem Planeten, dass sie dieses Glück eines Tages auch haben. :redstar161:

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Do 6. Sep 2007, 09:45 

Beiträge: 105
So lange durfte ich zwar die DDR nicht kennenlernen. Aber eins kann ich berichten: Die Jugend wurde gefördert und man kümmerte sich um die Jugend.
Die Betreuung und Förderung in der Schule war besser, da sehr viel organisiert wurde, um individuelle Stärken der Schüler heraus zu finden und zu fördern. Nach der Schule wurden sogenannte Arbeitsgemeinschaften angeboten. Dort konnte man sehr viele andere Dinge kennenlernen. Ich war bei den "Jungen Sanitätern" oder bei den Ornithologen usw. Man war beschäftigt im Sport. Etc.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Sa 8. Sep 2007, 15:22 

Beiträge: 11
gewe hat geschrieben:
Nach 40 Jahren DDR und 17 Jahren realkapitalistischer BRD könnte ich es mir einfach machen und sagen: alles.
Das ist aber erstens nicht glaubwürdig und zweitens unfair gegenüber den Menschen, die die Zeit meiner 40 Jahre DDR in der BRD ertragen mußten. Ich rede nicht von den Nutznießern dieser Gesellschaft, sondern von denen, die täglich schuften waren, um sich und ihre Familien zu ernähren.
Klar hatten sie zum großen Teil einen höheren Lebensstandard, als ich in der DDR - wenn man es an der Konsumtion festmacht.

Für mich waren andere Dinge wichtiger.
- 40 Jahre ohne Krieg
- 40 Jahre einen garantierten Arbeitsplatz und soziale Sicherheit
- 40 Jahre Bildung für mich und meine Kinder ohne immense Kosten
- 40 Jahre kostenlose Gesundheitsbetreuung (wenn auch nicht auf bundesdeutschen Höchstniveau)
- 40 Jahre das gute Gefühl, in der besseren Gesellschaft zu leben und mehr für die Zukunft der Menschen zu tun
- 40 Jahre bezahlbare Kultur auf höchsten Niveau
- 40 Jahre wirkliche Solidargemeinschaft
- 40 Jahre konsequenter Kampf gegen diese elende Nazibrut
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Ich wünschen es allen ehrlichen Menschen auf diesem Planeten, dass sie dieses Glück eines Tages auch haben. :redstar161:

Jawohl, dem kann ich nur zustimmen. Übrigens: Man kann dem Inhalt der Bücher trauen, die von gestandenen Kommunisten , die die DDR am eigenen Leibe erfahren haben, durchaus trauen, auch wenn es hier und da Auffassungen gibt, die man nicht teilt. Aber: lesen schult, man stellt sehr schnell fest, wo die Wahrheit liegt.
Zusammenhalten, es lebe der proletarische Internationalismus.


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: So 9. Sep 2007, 10:46 

Beiträge: 78
die gefahren, die von dem kapitalismus ausgingen, wurden doch in den schulen behandelt. warum waren sie in der bevölkerung nicht glaubwürdig? beschränkte sich das bild von der brd nur auf plumpe propaganda? warum ist die propaganda des kapitalismus soviel glaubwürdiger als die des sozialismus?

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: So 9. Sep 2007, 12:48 

Beiträge: 176
Ich denke, wir haben nicht im ideologischen Bereich, sondern im ökonomischen verloren. Das war der Boden, der vor dem 89er Crash so viele Gorbatschow-Anhänger erzeugte, also schon 87/88.
Es war ja nicht allein der Mangel an Konsumgütern, der viel Frust ausgelöst hat, sondern die wirtschaftlichen Probleme, die die Arbeiter jeden Tag in ihrem Betrieb erlebt haben. Düster war es bspw. in den Chemiebetrieben, wo wirklich lebensgefährliche Zustände herrschten (undichte Rohre, verschlissene Anlagen usw.). Und der Materialmangel – viele, viele Arbeitsstunden saßen die Leute nur rum, weil sie nichts zu tun hatten. Auf Parteiebene ging das alles nicht mehr zu klären, es kam scheinbar gar nicht mehr „oben“ an. In Buna gab es dann eine ganze Etage Büroräume für die sog. Wirtschaftstasi, daß wenigstens auf geheimen Wegen die Regierung informiert war. Handlungsfähig war sie nicht mehr.

Ich glaube nicht, daß das Wissen über den Kapitalismus zu gering war oder unglaubwürdig vermittelt wurde. Aber auf Westsendern sahen die Leute die bunte Warenwelt, in den Intershops ebenfalls. Und wie gut roch es dort. Gegen diese Sinneseindrücke ist schwer anzukommen. Dazu kam, 1988 schien die Regierung im Koma zu liegen. Honecker war krank, und auf der kulturpolitischen (also auch propagandistischen) Ebene galt plötzlich alles und nichts mehr. Ich denke, da hatte die DDR-Regierung schon aufgegeben. Es gab keine Initiative mehr, es wurde nur noch versucht, westliche Werte zu bedienen.
Irgendwann wird kaum einer noch wissen, was die Leute 89 so auf der Straße brüllten. Stasi- und SED-Hetzparolen waren letztlich nur Äußerlichkeiten, vom Westen eifrig befördert und geschürt. Daß es ein MfS gibt, hatte doch die Mehrheit der DDR-Bevölkerung kalt gelassen. Es ging um die Wirtschaft, aber da die wirtschaftliche Führung im Sozialismus Staatssache ist, wurden gewissermaßen die „richtigen“ Leute angegriffen, aber das Problem auf Stellvertreterebene abgehandelt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: So 9. Sep 2007, 16:03 

Beiträge: 2008
Aber dieser wirtschaftlichen Misere (seit 1983 zumindest auf Parteiebene kein Geheimnis mehr) war die Folge einer falschen Wirtschaftspolitik. Nach Ulbricht wurde die revisionistische Linie maßgebender Leute der KPdSU übernommen und dafür wurde ja Honnecker ausgesucht und angeleitet. Das hat Breshnew noch persönlich in die Hand genommen.
Es bleibt bei der bekannten kausalen Folge. Falsche Politik - Falsche wirtschaftspolitische Entscheidungen - wirtschaftliche Probleme - Unzufriedenheit der Menschen. Das alles noch von Gorbatschow und seinen Kumpanen befördert. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn da der Sozialismus überlebt hätte.

Ein Wunder ist für mich allerdings auch, wie lange man selbst naiv dem Treiben zugesehen hat. Es war für einen letztendlich nicht denkbar, dass derartiges geschehen konnte. Das einigemaßen zu begreifen, habe ich mehr als 10 Jahre gebraucht.

Allerdings war die Entscheidung für den Kapitalismus für mich keine Alternative. Doch mit der Meinung stand man 1989 wohl auf einsamen Feld. Die befürchteten Konsequenzen sind allerdings weitestgehend eingetroffen. Das hat zumindest den Vorteil, das ich mir mit dem gelernten und nun in praxi überprüften Weltbild einigermaßen Klarheit über das was dann ablief verschaffen konnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: So 9. Sep 2007, 16:43 
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gewe hat geschrieben:
Ein Wunder ist für mich allerdings auch, wie lange man selbst naiv dem Treiben zugesehen hat. Es war für einen letztendlich nicht denkbar, dass derartiges geschehen konnte. Das einigemaßen zu begreifen, habe ich mehr als 10 Jahre gebraucht.


Die DDR hatte als besetztes Land hier sicher eine besondere Rolle in der Frage des freien Willens. Aber schon Genosse Ulbricht hat gezeigt, das sich die DDR auch als besetztes Land nicht bedingungslos unterordnen musste.

In den anderen Staaten des RGW wurden aber auch wirtschaftliche Fehler gemacht. Und dort ging es den Menschen wirtschaftlich noch schlechter als in der DDR. Ich hatte das ja hier schonmal angesprochen.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Di 11. Sep 2007, 20:28 

Beiträge: 78
Viele Menschen, die in der DDR gelebt haben, sehen wie schlecht es ihnen heute geht. Trotzdem haben sie aufgrund der bürgerlichen Propaganda einen "DDR-Komplex". Sollte es nicht gerade bei diesen Menschen möglich sein, ihren "DDR-Komplex" zu überwinden und aufzuzeigen, dass die DDR ihre Interessen vertrat, damit sie für den Sozialismus sind? (hört sich naiv an, ich weiß, aber bei denen sollte es doch einfacher sein, sie zu überzeugen als bei Menschen, die noch nie im Sozialismus gelebt haben)

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mi 12. Sep 2007, 17:38 

Beiträge: 176
Deine Frage ist gar nicht naiv.
Ohne die Medien zu unterschätzen – Erfahrung läßt sich trotzdem nicht einfach durch Propaganda auslöschen. Wie die gewesenen DDR-Bürger wirklich über die DDR denken, liegt im Verborgenen. Im Klima der DDR-Hetze fällt es ja vielen Menschen schwer, offen und selbstbewußt auszusprechen, welche Vorzüge das Leben im Sozialismus hatte. Ich mache das nur bei entsprechender Gelegenheit, wenn ich das Gefühl habe, auf offene Ohren zu treffen und habe dabei oft mehr Zustimmung geernet, als ich vorher gedacht hatte. Offenkundig sinnlose Diskussionen tu ich mir allerdings nicht an.
Und natürlich gibt es soviel Hetze gegen des Sozialismus, weil die herrschenden Medien den Eindruck haben bzw. aus Umfragen wissen, daß es noch Sympathien für die DDR gibt. Warum mühen sie sich sonst so ab?


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mi 12. Sep 2007, 21:24 
Möchtegernputschist
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kann dem Beitrag von Nina nur zustimmen. Im Übrigen ist es mit der Sowjetunion nicht viel anders. Selbst wenn man sich mit so einigen Russland-Deutschen unterhält, wird man oft eine gewisse Sympathie (aber zumindest keine vollkommen ablehnende Haltung) zur Sowjetunion finden.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Sa 15. Sep 2007, 15:54 

Beiträge: 78
Also ich hatte die Erfahrung gemacht, dass die sozialen Erungenschaften wünschenswert sind, aber der Sozialismus abgelehnt wurde. Es wurde sich ein "humaner Kapitalismus" gewünscht.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Sa 15. Sep 2007, 16:08 
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irgendeiner hat geschrieben:
Es wurde sich ein "humaner Kapitalismus" gewünscht.


Da kann man sich auch wünschen, der Papst würde endlich Vater werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Sa 15. Sep 2007, 17:29 

Beiträge: 78
Eben. Deshalb liegt die Schwierigkeit auch darin die DDR in ihrer Gesamtheit zu verteidigen. Die Stasi und die Mauer, beides "Inkarnationen des Bösen", sind genauso zu verteidigen wie die sozialen Errungenschaften. Und da hört es bei den meisten auf. Es wird nicht verstanden, dass das MfS und der antifaschistische Schutzwall notwendig waren, um den Sozialismus zu erhalten.

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Sa 15. Sep 2007, 18:19 
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Tja, mir würde so einiges einfallen, was ich an der DDR zu kritisieren hätte. Aber ich halte es da mit der FDJ:

Zitat:
Wir wollen nicht länger reden von einem Staat ohne Fehler, den es sowieso nicht geben kann. Ja, selbst wenn diese DDR noch schlimmer war, als uns das Fernsehen jeden Tag vorlügt: Ja, wir wollen diesen winzigen Anfang! Diesen Sack Probleme und Fehler der DDR, den wollen wir auch. Denn wir haben große Lust, uns zu versuchen an diesen Aufgaben! Weil es in einer fehlerhaften Gesellschaft hilft, an Fehlern zu arbeiten! Denn um zu einem staatenlosen, friedlichen Miteinander der Menschen zu kommen, müssen wir erst denen das Handwerk legen, die skrupellos über Leichen gehen für ihren Profit. Eine faulende Gesellschaft wie diese, die eine Sackgasse darstellt, in der wollen wir nicht länger herum doktern. Ein Anfang aber, wie klein er auch sein mag; ist immer die Zukunft!


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: So 16. Sep 2007, 14:01 

Beiträge: 11
Ja, wir waren 40 Jahre auf der sicheren Seite. Ich glaube, das müssen wir all denen klarmachen, die dem Gegner das Ohr schenken und nur die "Fehler" der DDR in sich aufsaugen. Ich meine, natürlich dürfen wir an unseren Fehlern nicht vorübergehen, aber beileibe auch nicht daran zerbrechen. Fehlerdiskussion ohne Schlußfolgerungen ist wie Unterwäsche ohne Oberbekleidung - wir stehen halb nackt da. Also, lassen wir uns keine Fehlerdiskussion aufschwatzen, sondern erklären, welche uns auch und besonders vom Klassengegner aufgezwungenen Fakten zu ungelösten Problemen führten. Sind beim Lösungsversuch Fehler aufgetreten, dann wollen wir die Ursachen finden und daraus Erkenntnisse für unsere weitere Tätigkeit ableiten.. So können wir den Feind schlagen und ehrliche und unbedarfte Ex-DDR-Bürger für unseren Kampf gewinnen.
Nach vorn in die Zukunft (unsere Zukunft) blicken!!
:redstar162: :redstar161: :laola:


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Mi 21. Nov 2007, 21:31 

Beiträge: 134
Ernesto hat geschrieben:
Viele Menschen, die in der DDR gelebt haben, sehen wie schlecht es ihnen heute geht. Trotzdem haben sie aufgrund der bürgerlichen Propaganda einen "DDR-Komplex". Sollte es nicht gerade bei diesen Menschen möglich sein, ihren "DDR-Komplex" zu überwinden und aufzuzeigen, dass die DDR ihre Interessen vertrat, damit sie für den Sozialismus sind? (hört sich naiv an, ich weiß, aber bei denen sollte es doch einfacher sein, sie zu überzeugen als bei Menschen, die noch nie im Sozialismus gelebt haben)

Genau das ist heut bei vielen Ex-DDR Bürgern das Problem, der "DDR-Komplex". Ich kenne da auch viele Menschen, die durch den schlichten Vergleich zwischen einem sozialistischen Staat und einem kapitalistischen Staat, den Bezug zur Realität verloren haben. Die sind hin und her gerissen, möchten am liebsten sofort wieder den Sozialismus, können aber nicht über ihren eigenen Schatten springen. Ich denke auch, das man denen Mut machen sollte!


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Do 22. Nov 2007, 16:53 
Moderator

Beiträge: 384
Die Menschen, mit denen ich in dieser Hinsicht zu tun hatte, sehen den Sozialismus als gescheitert an. Die Frage, ob der Sozialismus, also die Idee, der Plan gescheitert sei, lässt sich ja stellen. Allerdings schreibt der Sieger die Geschichte, und selbst und gerade die Stimmen, die heutzutage in dieser Hinsicht als "seriös" bezeichnet werden, haben natürlich Interesse daran, den Sozialismus noch im Nachinein so durch den Dreck zu ziehen, daß man ihn hinterher gar nicht mehr erkennt. (Es gibt Ausnahmen. Sebastian Haffner z.B., der nicht im Verdacht steht, Kommunist zu sein, äußerst sich erstaunlich objektiv) Betrachtet man die Fakten, so sieht man sehr wohl, daß der Sozialismus funktionieren kann, daß er sich bejahen lässt, daß es so, wie es gerade geht, nicht weitergeht. Aber erzähl das mal Leuten, die sich gut informiert glauben und doch nur Propaganda erzählt bekommen. Es ist, will ich sagen, durchaus nicht so, daß der "schlichte Vergleich" ihnen den Bezug zur Realität nimmt. Denn im schlichten Vergleich steht der Sozialismus gar nicht so schlecht, will sagen, besser da.


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Do 22. Nov 2007, 17:35 

Beiträge: 134
Asmodai hat geschrieben:
Denn im schlichten Vergleich steht der Sozialismus gar nicht so schlecht, will sagen, besser da.

Genau das hatte ich ja auch gemeint. Die Leute orientieren sich doch immer an die besseren Sachen, die sie haben oder hatten. Und demnach, wenn es nicht so läuft, wie man es gewohnt war, kann man durchaus den Bezug verlieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Fr 23. Nov 2007, 02:43 
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Beiträge: 4023
Schüler verklären die DDR

Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer war ein DDR-Politiker. Und die Berliner Mauer wurde von den Alliierten gebaut. Das meinen zumindest Schüler in Nordrhein-Westfalen.

Bei Focus Online lesen

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 Betreff des Beitrags: Re: DDR verteidigen
BeitragVerfasst: Fr 23. Nov 2007, 13:56 

Beiträge: 78
Also, ich fasse das Ergebnis der Studie mal zusammen und kommentiere es:

Zitat:
"Zwar glauben zwei von drei nordrhein-westfälischen Schülern, dass das Leben vor der Wende im Westen besser war als im Osten, und immerhin rund 80 Prozent sprechen sich für das politische System der Bundesrepublik aus."

Nichts überraschendes.

Zitat:
"Dagegen bewerten die Jugendlichen aber den Familienzusammenhalt, die Mietpreise und die Sportförderung in der DDR ausgesprochen positiv."

Die Schüler meinen also, Deutschland müsste sozialer werden.

Zitat:
"Gut 30 Prozent glauben, die Wirtschaft könne nur funktionieren, wenn der Staat alles plane und lenke."

Viele Schüler sind also der Meinung, dass die Planwirtschaft besser als die Marktwirtschaft funktioniert. Das finde ich doch überraschend. Wenn man allerdings kurz drüber nachdenkt, ist das doch sehr einleuchtend.

Zitat:
"Und immerhin jeder zweite Schüler befürwortet eine Arbeitsplatzgarantie, wie es sie unter dem SED-Regime gab."

Arbeitsplatzgarantie im Kapitalismus? Was erdreißten sich diese Schüler. Das gibts nur im Sozialismus und der ist Scheiße, also noch mal schnell drauf hinweisen, dass es das bööööööööse SED-Regime war. Damit ist der normale Focus-Leser abgeschreckt und denkt nicht mal daran, so etwas zu fordern. Arbeitsplatzgarantie = SED-Regime, das sollte reichen.

Zitat:
"„Die eigenen Zukunftsängste führen dazu, dass die DDR positiv gesehen wird“, interpretiert Schröder die Daten. Aus Unkenntnis würden das Regime und die Vergangenheit verklärt."

Wenn der Kapitalismus abstinkt, dann kommen die Leute auf die Idee, der Sozialismus wäre besser. Aber das stimmt natürlich nicht. Warum? Weil der Kapitalismus einfach besser ist. Basta!

Zitat:
"Ein Viertel der nordrhein-westfälischen Schüler halte die Stasi für „einen ganz normalen Geheimdienst“."

Nein, die Stasi ist natürlich böse, ganz böööse. Die Stasi war nur für die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung da. Das war keine freiheitlich-demokratische Ordung, sowie in der Bundesrepublik...

Zitat:
"Weniger als die Hälfte der Befragten wisse, dass es in der DDR keine freien Wahlen gab."

... , wo man sich die Partei aussuchen kann von, der man dann ausgeschlachtet wird.

Zitat:
"Die Schüler hören immer, die DDR war ein sozialer Staat."

Woher die das nur haben? Gleich mal das BND auf die Eltern losgeschickt.

Zitat:
"Und wenn die Lehrer nicht das nötige Wissen vermitteln, setzen sich solche Vorurteile in den Köpfen fest."

Wie kann man nur so total verblödet sein und denken, die DDR wäre sozial?

Zitat:
"Je mehr die Schüler über die DDR wissen, desto kritischer sind sie auch."

Je mehr wir sie mit Propaganda in der Schule durch die Lehrer volldröhnen, desto eher sind sie unserer Meinung, das die DDR beschissen ist.

Auftrag erfüllt!

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