Zitat:
So klar und einleuchtend das alles ist, so schwer ist es, das jemanden zu erklären. Das interessiert die Menschen nicht sondern dann heißt es nur wieder, die DDR/SED/Ulbricht haben die Menschen eingesperrt und jeder Staat, der seine Menschen einsperrt ist nichts wert. Man kann hier einfach nicht mit Vernunft kommen. Die Menschen schauen nicht über ihren Tellerrand hinaus.
Es gibt Menschen, die nie was verstehen. Und gar nicht mal so wenige.
Es gehört zu den standardmäßigen Trugvorstellungen der Linken, daß sie meinen, erst siegen zu können, wenn sie die Mehrheit von ihren Vorstellungen überzeugt haben. Wenn das so wäre, hätte es nie eine geschichtliche Bewegung gegeben. Ich will damit nicht sagen, daß es nutzos ist, Leute aufzuklären. Ich will nur sagen: Daß es eine große Gruppe in der Bevölkerung gibt, auf deren Meinung es nicht ankommt. Wenn die bereit sind, was zu tun, dann der äußeren Umstände wegen. Vorher begreifen die nichts, und danach im Grunde auch nichts. Aber seis drum. Irgendeiner muß ja die Felder bestellen.
Zitat:
Wie soll man da die DDR verteidigen?
Es kommt, wie gesagt, auf den Adressaten an. Wenn man ersteinmal begriffen hat, daß man das Dummvolk ohnehin nicht erreicht, dann stellt man auch nicht mehr auf die Prager Straße, spricht dieses idiotische Proletendeutsch und läßt in seinem Kopf nur drei Gedanken zu. Wenn man erst einmal gesehen hat, wen man überhaupt erreichen kann, dann kann man auch seine Reden intelligenter gestalten.
Das Problem nämlich ist: Wenn man seine Reden auf das Dummvolk zuschneidet, dann erreicht man niemand, der geistig darüber steht. Und das Dummvolk erreicht man auch nicht. Also, sage ich, kann man auch gleich auf den intelligenten Teil der Bevölkerung zielen.
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Ich habs erst gestern wieder gehört: "Kommunismus ist ja ne tolle Idee, aber mit den Menschen einfach nicht zu machen, weil die alle egoistisch sind."
Das hier ist übrigens ein gutes Beispiel für schlechte Reden. Der gewöhnliche Kommunist pflegt hierauf ein Standardantwort zu haben: Der Mensch ist durch die Gesellschaft geprägt, und der Kommunismus wird den neuen Menschen hervorbringen, der frei von Egoismus ist.
Niemand, der solchen Unsinn erzählt, muß sich wundern, wenn ihm die Leute weglaufen. Die Vorstellung, daß eine Gesellschaftformation in der Lage wäre, aus dem Menschen etwas zu machen, das sich aus ihm nicht machen läßt, ist so unverkennbar eine religiöse Vorstellung, daß selbst die, die zur Religion neigen, sich abwenden. Warum sollen sie auch zum Marxismus konvertieren, sie haben meist schon eine andere Religion.
Besser kann man auf diese Einwand so antworten: Der Sozialismus ist der Versuch, Allgemeininteresse und Egoismus der Menschen zu vermnitteln. Die Frage lautet, wie zu gerecht leben geht, ohne seine individuellen Ansprüche aufzugeben.