Zitat:
Dem kann ich mich voll anschließen.
Ich würd's gerne, aber das mit dem "voll" wird nichts. Das Filmchen hat Stärken, aber auch Schwächen.
Zum einen bewegt er sich auf einer relativ flachen Ebene, was sicherlich daran liegt, daß ein Youtube-Filmchen keine ausgiebige und fundierte Argumentation liefern kann. Hieraus folgt aber leider, daß er über das Niveau von "Aufzählen und gut finden" nicht kommt. Hiermit verbunden ist ein weiteres Problem: Einer der ältesten Tricks überhaupt ist eine Stärke des Gegners in eine vermeintliche Schwäche umzudeuten, und Gegner des Sozialismus kennen diese Taktik sehr gut. Wenn ein solcher den Film sieht wird er sofort die Kindertagesstätten auf die Totalität des DDR-Regimes zurückführen und sie als "Parteischulen für die kleinen" deuten, den Sport wird er, ganz wie die körperlichen Betätigungen unter den Nationalsozialisten, als Drill und "Beschäftigungstherapie" zur Ablenkung von inneren Problemen auffassen, bei den Arbeitsplätzen wird er fragen "Zu welchem Preis?" usf. Das ist natürlich alles Quatsch, macht aber vor allem eines deutlich: Es sind, ohne weitere Erläuterungen, keine überzeugenden Argumente gegen die Idee von der DDR als "grausamer Diktatur", denn grausame Diktaturen können solche Merkmale durchaus auch aufweisen. Man findet ja auch nicht plötzlich das Dritte Reich gut, weil's da Urlaub gab und man "sicher über die Straße gehen konnte", denn schließlich gibt's ja für beides Gründe und, nicht zu vergessen, Vorraussetzungen.
Zu den Verfassungseinblendungen: Die Verfassung der DDR ist, wie so viele Verfassungen, erstmal nur Vorsatz und Maxime. Auf die Realisierung derselben käme es natürlich an. Wir können viel und gutes über diese Realisierung sagen, aber nur mit Zitaten aus der Verfassung kommt man nicht weit. Ihr könnt ja mal zählen, was alles im Grundgesetz der BRD zugesprochen und gewährt wird und dann über die Realisierung desselben nachdenken. Wie man schnell merkt, sind das zwei Paar Schuhe. (Erwähnenswert ist hierbei die Verfassung der Sowjetunion, die einen Mittelweg ging: Sie nannte nicht nur die Rechte, sondern auch die Gremien und grundlegenden Maßnahmen zur Durchsetzung dieser Rechte. Feuchtwanger fällt das in "1937" besonders auf.)
Was ich an dem Film positiv bewerte ist das immer wieder kraftvolle Argument, daß von der DDR nie ein Krieg ausging und sie sich aus dem dreckigen Geschäft, das die BRD aus diversen Kriegen immer wieder machte und macht, komplett raushielt (Darf man in so einem Fall überhaupt von "Totschlagargument" reden? Oder ist es dann nicht doch eher ein Ölzweigargument?), und die Adenauerzitate, wie herausgerissen oder populistisch sie immer sein mögen.
Ich bezweifle, daß er mit dem Film irgendeinen Nichtsozialisten zum Nachdenken kriegt. Aber wenn euch der Film gefällt, dann ist das ja auch nicht verkehrt.