sit hat geschrieben:
Chef der Abteilung ist der Professor Cheng Enfu, einer der führenden chinesischen Marxisten. Er sagte unter anderem: Der Marxismus ist eine moderne Theorie, er hat seine Platz in der internationalen Arena der Ideen. Er gehöre zu den vielen Genossen, die meinen die Partei hätte ihren ideologischen Kompass verloren.
Sprechen wir von demselben Cheng Enfu, der den Text "Grundlegende Merkmale der sozialistischen Marktwirtschaft" geschrieben hat (
http://www.neue-impulse-verlag.de/mbl/a ... chaft.html)? Der darin Behauptungen aufstellt wie diese:
"Die chinesische Zentralregierung unternimmt nicht nur große Anstrengungen hinsichtlich der Entwicklung der Wissenschaften und der Verbesserung der Fähigkeit zur eigenständigen schöpferischen Arbeit, sondern macht neuerdings auch Fortschritte beim Ausbau des Sozialismus in Richtung einer harmonischen Gesellschaft." - Welcher Ausbau des Sozialismus (vielmehr: Welcher Sozialismus)? Mag ja sein, dass sie sich anstrengen, aber dann machen sie iwas falsch, denn das Resultat spricht Bände.
"Öffentliches Eigentum sollte den Vorrang haben. Der in in- oder ausländischem Privatbesitz befindliche Teil der Ökonomie sollte entwickelt werden unter der Bedingung, dass der in öffentlichem Besitz befindliche Teil der Ökonomie hinsichtlich der Qualität wie der Quantität vorherrscht." - Seit wann genügt der "Vorrang" (in der Aufbauphase mag das was anderes sein, aber zu diesem Aufbau hatte China 60 Jahre Zeit)?
"Die chinesische Wirtschaft zeigt seit 1978 ein anhaltend schnelles Wachstum." - "Wie Deng Xiaoping sagte, hat Sozialismus zwei Prinzipien: eines besteht darin, dass die Ökonomien mit unterschiedlichen Besitzverhältnissen sich gemeinsam entwickeln, von denen der in öffentlichem Besitz befindliche Teil der Ökonomie ein Hauptteil bleibt. Das andere Prinzip besteht darin, dass alle Menschen reich werden, dass es keine Polarisierung gibt." - Warum nennt ein "chinesischer Marxist" Deng als Referenz? Warum kein Wort darüber, dass Deng den Punkt mit der Polarisierung mit Füssen getreten hat?
Zwar kritisiert er: "Nach neueren Statistiken ist der Anteil des nicht in öffentlichem Eigentum befindlichen Teils der Volkswirtschaft auf über 50 % gestiegen. In- und ausländisches Privateigentum machen heute bereits an die zwei Drittel des BSP der VR China aus, und dieser Anteil nimmt weiter zu, während der in öffentlichem Eigentum befindliche Teil weiter an Bedeutung verliert. Wir beobachten, dass die durch den staatlichen Sektor gegebenen Kontrollmöglichkeiten rapide zurückgegangen sind, dass in einigen Provinzen und Städten staatliche Unternehmen ganz verschwunden sind und dass derartige Entwicklungen in China als beispielhaft gepriesen werden."
Und: "Man muss sehen, dass ein zu hoher Anteil des Privatsektors unausweichlich zu solchen ökonomischen Phänomenen wie Arbeitslosigkeit etc. und schließlich zu sozialer Disharmonie führt."
Doch scheint es diesem "Marxisten" schon zu genügen, wenn die ökonomische Macht der Bourgeoisie beschränkt wird. Ich sehe bei all den Bekenntnissen zur "sozialistischen Marktwirtschaft", dem Gerede vom "Vorrang" (!) des öffentlichen Eigentums und dem ideologischen Bezug auf Deng Xiaoping keinerlei Anzeichen für wirklichen Marxismus - vielmehr scheint sich Cheng mit kleinen Reformen nach links schon zufrieden zu geben.