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Diskussionen über sozialistische Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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 Betreff des Beitrags: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:44 

Beiträge: 462
Die DDR sicherte ab 1961 ihre Grenze zur BRD mit einer 800 km langen Schutzanlage. Diese enthielt neben elektrischen Zäunen Minengürtel, Selbstschussanlagen eine hohe Anzahl von bewaffneten Posten. Versuchte ein DDR-Bürger diese Grenze zu überschreiten wurde sofort nach einmaliger Aufforderung das Feuer auf ihn eröffnet ungeachtet der Person z.B. ob minderjährig etc.. Wollte dieser DDR-Bürger die DDR Richtung BRD auf den normalen Grenzübergängen verlassen wurde er auch dort in der Regel aufgehalten aufgrund fehlender Dokumente die er nur über lange bürokratische Umwege erhalten konnte. Mir ist kein zivilisierter Staat der Welt bekannt der seine Bürger mit Waffengewalt daran hindert sein Territorium zu verlassen ungeachtet der Tatsache ob der andere Staat ihn dann aufnimmt und ob der bürger in dem betreffenden Land eine Straftat begangen hat. Warum hinderte die DDR ihre Bürger an der Ausreise in ein kapitalistisches Land mit Waffengewalt und Minengürteln? Schließlich durften Millionen Brd-Bürger in die ddr einreisen und ungehindert herumhetzten, umgekehrt aber kaum ein ddr-bürger in ein kapitalistisches land ausreisen und sich von den katastrophalen Lebens und Arbeitsbedingen dort überzeugen um den Menschen die "frohe Botschaft" des Sozialismus bringen. Da läßt sich doch nicht der Eindruck erwehren das dieser schutzwall ein antisozialistischer war.
Auf die menschen in der DDR hatte dies ja auch eine katastrophale Wirkung. Ihnen wurde klar das der Staat sie einfach nicht für mündig genug hielt ihr eigenes Bild über den Kapitalismus zu bilden. Hätten sie die Möglichkeit gehabt nicht nur das schaufenster des Kapitalismus - die BRD- zu sehen sondern auch portugal italien all die vielen Länder die für den Reichtum der BRD geknechtet werden, hätte das sicherlich eine ganz andere Basis für den aufbau des sozialismus in der ddr erbracht.
Ich muss vielleicht klarstellen das ich die Notwendigkeit des antifaschistischer Schutzwalls einseh aber nicht die Tatsache das ddr bürger ihn nicht verlassen konnten. Umgekehrt war er natürlich zur gefahrenabwehr egenüber dem Imperialismus notwendig wobei man sich die über die notwendige ausstattung streiten kann die in meinen Augen viel zu hoch war und viel zu viel volkswirtschaftliche ressourcen verschlang.
Vielleicht kann mir ja mal einer diesen Widerspruch erklären. hm...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:44 
Literat

Beiträge: 2947
Du willst diesen Widerspruch erklärt haben. Nun, ich finde die Sache nicht widersprüchlicher als Politik und Geschichte immer sind. Ich finde dagegen ziemlich widersprüchlich, wenn du die Notwendigkeit der Grenze anerkennst, aber nicht verstehst, warum die DDR-Bürger daran gehindert wurden, diese zu überschreiten. Wenn man das eine versteht, müßte man doch auf das andere ganz leicht kommen. Ich möchte ein paar Hinweise geben.
Die Grenze zwischen DDR und BRD war keine "innerdeutsche Grenze" (wie man heute gerne sagt, um der Verurteilung der sogenannten "Todesschützen" einen Anstrich von Recht zu verpassen), sondern eine Grenze zwischen zwei verschiedenen Staaten. Sie war sogar die Grenze zwischen zwei verfeindeten Staaten; zwei Staaten, die Mitglieder in einander verfeindeten Militärbündnissen waren. Du wirst mir wohl zustimmen, daß man über solche Grenzen nirgendwo auf der Welt und zu keiner Zeit in der Geschichte einfach rübergehen kann.
BRD-Bürger, die in der DDR zu Besuch waren, wurden aus diplomatischen Gründen sehr vorsichtig behandelt. Es ist ihnen in der DDR nichts passiert. Wenn sie festgenommen wurden, dann hat in der Regel ein handfester Verdacht vorgelegen. In der BRD waren diese Skrupel wesentlich geringer. Wenn du dich mit der Geschichte der Gründung der DDR beschäftigst, wirst du bald sehen, was für einen massiven und erbarmungslosen Feldzug der Westen von Beginn an gegen die Sowjetische Besatzungszone/DDR geführt hat. Die Liste der Anschläge, Spionagefälle und Morde ist sehr lang. Solche Aktionen hat die DDR niemals gegen die BRD betrieben. Ist es da verwunderlich, daß man mit der Ausreise der eigenen Bürger sehr vorsichtig war?
Natürlich war der Imperialismus auch sehr verlockend. Für die in bestimmten Fragen Begabten hatte er eine Menge zu bieten und ein Arzt, zum Beispiel, hatte im Westen sehr viel größere Verdienstmöglichkeiten als in der DDR. Ist es nicht verständlich, daß die DDR dafür Sorge trägt, daß die bei ihnen teuer und gut ausgebildeten Fachkräfte nicht, wie man damals sagte, "rübermachen"?
Zum Thema "mündige Bürger" fällt mir folgendes ein: Wie mündig war denn der Bürger 1933 oder 1989? Es ist doch offenkundig, daß das Volk auch zu großen Unfug verleitet werden kann. Und wäre es nicht vernünftig, es zur Abwechslung mal daran zu hindern, Demagogen und schlechten Verführern hinterherzulaufen?
Ob die Personen minderjährig sind, sieht man in der Nacht (wo Fluchtversuche doch unternommen werde, oder?), wohl eher nicht. Ein sehr schönes Argument hat auch Torsten hier im Forum zu dieser Frage beigebracht: Wie verantwortlich ist es von den Eltern, ihr Kind an Orte mitzunehmen, von denen sie wissen, daß dort auch auf ihr Kind geschossen werden kann?
Du gibst auch die Grenzprotokolle nicht richtig wieder. Nach einer Warnung, mußte der Grenzer zunächst in die Luft schießen und dann auf die Beine.
Du schneidest viele weitere Punkte an, die eine Entgegnung verlangen. Aber ich werde hier für nichts bezahlt und möchte daher ungern allzu lang werden. Ich denke, daß man durch Überlegen auch selbst auf einige Antworten kommen kann. Das sind alles Dinge, die – wie ich finde – auf der Hand liegen.

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Der Hunsch wars!


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:45 
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Na Sven, auch wenn Folgendes nicht unbedingt den Widerspruch aufklärt, trotzdem ein Artikel aus der "Die Rote Fahne" vom September 2004.

Zitat:
Die Sicherung der Staatsgrenze der DDR zur BRD und Westberlin und das Produktionsaufgebot

Mit der Sicherung ihrer Grenzen am 13. August 1961 begann die erfolgreichste Periode beim Aufbau des Sozialismus in der DDR
Die Politiker von blaßrosa bis tiefschwarz versammelten sich wieder am 13. August 2004, um “der Opfer des Mauerbaus” zu gedenken. Kein Wort gab es von PDS bis CDU zu den wahren geschichtlichen Hintergründen, die zur notwendigen Sicherung der Staatsgrenzen der DDR am 13. August 1961 führten. Kein Gedenken über die Opfer, die die DDR-Bürger bis dahin durch die schamlose Ausnutzung der offenen Grenzen der DDR durch den Imperialismus erlitten hatten. Kein Wort darüber, daß die BRD und die NATO die offene Grenze immer hemmungsloser zu Spionage, Sabotage und Diversion gegen die DDR nutzten, und daß die offene Grenze zum Einfallstor einer militärischen Aggression zur Vernichtung der DDR werden sollte.
Die historische Wahrheit ist, daß die DDR lange, viel zu lange (trotz der immensen ökonomischen Schäden, die durch die verbrecherischen Machenschaften des Imperialismus der DDR entstanden waren) die Grenzen zum westdeutschen Imperialismus offen gehalten hatten. Wieder und wieder hatte die DDR Initiativen ergriffen, um eine dauerhafte, friedliche Lösung zur Überwinden der Spaltung Deutschlands zu erreichen. Alle diese Bemühungen waren von der BRD und den sogenannten Westmächten zurückgewiesen worden. Ihnen ging es allein um die vollständige Zerstörung der DDR und des Sozialismus auf deutschem Boden.

1961 hatte sich die Lage gefährlich zugespitzt. Nicht nur die ökonomischen Belastungen durch die subversive Ausnutzung der offenen Grenze war für die DDR unerträglich geworden, der Imperialismus drohte mit der militärischen Zerschlagung der DDR, wobei bei der Planung der Aggression das zur “Frontstadt” erklärte Westberlin eine besondere Rolle spielen sollte. Am “Tag X” sollte die DDR überrollt und der Sozialismus zerstört werden. Sieben Divisionen stünden zu dieser “Mission” bereit, prahlte die Bonner Generalität offen in der Presse (1).

Begleitet wurden die militärischen Vorbereitungen zur Zerstörung der DDR von einer wüsten antikommunistischen Hetze. Franz-Josef Strauß forderte unter Einbeziehung “entsprechender politischer, ökonomischer, propagandistischer und ... organisatorischer und subversiver” Mittel die DDR zur “Explosion zu bringen” (2).
Unverhohlen drohte man, “alle Mittel des Krieges, des Nervenkrieges und des Schießkrieges anzuwenden.” Man müsse gegen die DDR Maßnahmen der “Unterwühlung”, der “Zersetzung der Ordnung”, der “Sabotage” und des “Aufruhrs” einsetzen. (3)
Für diese Zwecke arbeiteten allein in Westberlin Dutzende imperialistische Geheimdienste und Organisationen, die mit Milliardenbeträgen unterstützt wurden.

Nicht nur die Führung der DDR war der Ansicht, daß dem imperialistischen Treiben gegen den sozialistischen deutschen Staat nun endlich und im wahrsten Sinne des Wortes ein Riegel vorzuschieben sei. Auch viele DDR-Bürger waren es leid, daß die Politik der BRD zu ihren Lasten ausgetragen wurde. Viele hatten unter diesen Umständen auch kein Verständnis mehr für Grenzgängerei und Schmuggelei einiger Bürger, die der DDR erheblichen Schaden zufügten.
Es war Zeit zum Handeln. Unterstützt durch die Solidarität der anderen sozialistischen Staaten und die Macht der UdSSR, ergriffen SED-Führung und die Bündnispartner der Warschauer Vertragstaaten die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen zur Sicherung der Grenzen der DDR und damit zur Sicherung des Friedens.

Am 13. August stellte die DDR den völlig überraschten Klassenfeind vor vollendete Tatsachen. Mit dummen Gesichtern standen die Exponenten des BRD-Imperialismus vor einer nun für sie geschlossenen Staatsgrenze. Mit einer strategisch-taktischen Meisterleistung hatte die DDR ihre Grenze gesichert, ohne daß im Vorfeld die über 80 in Westberlin stationierten gegnerischen Geheimdienste davon etwas erfahren hatten.
Am Vortage der Grenzsicherung hatte der Ministerrat der DDR einen Beschluß gefaßt in dem es dazu hieß: „Der Standpunkt der Bonner Regierung, der zweite Weltkrieg sei noch nicht zu Ende, kommt der Forderung gleich auf Freiheit für militaristische Provokationen und Bürgerkriegsmaßnahmen. (...)
Die westdeutschen Revanchisten und Militaristen mißbrauchen die Friedenspolitik der UdSSR und der Staaten des Warschauer Vertrages in der Deutschlandfrage, um durch feindliche Hetze, durch Abwerbung und Diversionstätigkeit nicht nur der Deutschen Demokratischen Republik, sondern auch anderen Staaten des sozialistischen Lagers Schaden zuzufügen.
Aus all diesen Gründen beschließt der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik in Übereinstimmung mit dem Beschluß des Politischen Beratenden Ausschusses der Staaten des Warschauer Vertrages zur Sicherung des europäischen Friedens, zum Schutze der Deutschen Demokratischen Republik und im Interesse der Sicherheit der Staaten des sozialistischen Lagers folgende Maßnahmen:
Zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und Westberlins wird eine solche Kontrolle an den Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist. Es ist an den Westberliner Grenzen eine verläßliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle zu gewährleisten, um der Wühltätigkeit den Weg zu verlegen. (...) Revanchepolitikern und Agenten des westdeutschen Militarismus ist das Betreten der Hauptstadt der DDR (demokratisches Berlin) nicht erlaubt.“ (4)

Mit der Schließung der Grenze wurde nicht nur einer der gefährlichsten Konfliktherde dieser Zeit beseitigt, die DDR war nun in der Lage, ihren ökonomischen und politischen Aufbau erfolgreich fortzusetzen, ohne daß Diebe und Räuber ständig ihre Finger in den Taschen der Werktätigen der DDR hatten.
In ohnmächtiger Wut mußten die Raubritter in der BRD zur Kenntnis nehmen, daß ihre Aggressionspläne gescheitert waren, zumal die anderen Westmächte keinerlei Anstalten unternahmen, sich wegen der “Grenzangelegenheiten” wohlmöglich in einen bewaffneten Konflikt mit der UdSSR einzulassen.
Enttäuschung bei den Kriegstreibern in der BRD auch über die Reaktion der DDR-Bevölkerung auf die Grenzsicherung: Die Mehrheit der DDR-Bürger zeigte sich nämlich erleichtert, daß mit dem Schutz der Grenze endlich ein ständiger Quell der Unruhe beseitigt und ein Loch gestopft wurde, durch das jahrelang der Bevölkerung milli-ardenschwere Verluste zugefügt wurden.
Für manche Bürger, die durch die nun geschlossene Grenze von Freunden und Verwandten getrennt waren, waren die Maßnahmen fraglos hart, aber klar und eindeutig war für diese Folgen allein die aggressive Politik des BRD-Imperialismus verantwortlich, der jede friedliche Verständigung zwischen den beiden deutschen Staaten verhindert hatte und durch die unmittelbare Bedrohung der Regierung der DDR letztlich keine andere Wahl ließ, als die notwendigen Schritte zum Schutz des Arbeiter- und Bauernstaates zu unternehmen.

Die unbeugsame Entschlossenheit der Regierung der DDR zur Verteidigung des Friedens und zum Schutz der sozialistischen Errungenschaften löste zahlreiche Initiativen in der Bevölkerung und den Arbeitskollektiven aus.
Für viele DDR-Bürger galt, was Wismut-Kumpel in einer Erklärung am 14. August 1961 im “Neuen Deutschland” sagten: “Es war höchste Zeit, dem schändlichen Treiben der Militaristen Einhalt zu gebieten.” (5)
Sie gehörten auch zu den ersten, die die Ereignisse zum Anlaß nahmen, eine Selbstverpflichtung zur Stärkung der DDR durch höhere und bessere Produktionsleistungen abzugeben.
Andere Kollektive folgten dem Beispiel. Jugendliche meldeten sich zu Tausenden freiwillig zum Dienst in den bewaffneten Organen der DDR.
Arbeiter des VEB Elektrokohle Lichtenberg in Berlin schufen eine besondere Initiative: das “Produk-tionsaufgebot”. Jeder Werktätige, jedes Kollektiv sollte so präzise und zuverlässig arbeiten, wie die Kampfgruppen und Soldaten bei der Sicherung der Staatsgrenze. Zur unmittelbaren Stärkung der DDR gaben sie die Losung aus: “In der gleichen Zeit für das gleiche Geld mehr produzieren.”
Im “Aufruf der Werktätigen der Abteilung Elektrodendreherei des VEB Elektrokohle Berlin zu einem “Produktionsaufgebot der Arbeiter und der Intelligenz für die Stärkung der DDR und für den Abschluß eines Friedensvertrages” vom 6. September 1961 hieß es dazu:
„In Berlin haben wir Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik am 13. August einen großen Sieg errungen. In Berlin siegte der Frieden über die Kriegstreiber, die noch einmal die blutige Herrschaft des deutschen Militarismus über ganz Deutschland und Europa ausdehnen wollen. Der 13. August 1961 zeigt:
Je stärker die Deutsche Demokratische Republik, desto stärker der Friede in Deutschland!
Wir kennen das Militaristengesindel aus eigener Erfahrung. Wir wissen genau, daß sich der Klassenfeind nach einer Niederlage noch nicht geschlagen gibt...
Deshalb schlagen wir allen Arbeitern, Angestellten, Meistern, Ingenieuren und Wissenschaftlern vor, (...) bis Ende dieses Jahres ein Produktionsaufgebot der Arbeiter und der Intelligenz für die Stärkung der DDR, für den Abschluß eines Friedensvertrages durchzuführen ...
Wir wissen, daß die Arbeitsproduktivität schneller steigen muß als der Lohn. (...)
Deswegen ist unsere entscheidende Verpflichtung im Produk-tionsaufgebot: In der gleichen Zeit für das gleiche Geld - mehr produzieren!” (6)
Sie unterbreiteten zugleich eine Reihe von praktischen Vorschlägen und eigenen Verpflichtungen, wie dieses Ziel zu erreichen ist.

Für die werktätigen Bauern sprachen die Genossenschaftler der LPG Zickhusen, die sich für die Umsetzung des Produktionsaufgebotes innerhalb der Landwirtschaft einsetzten. In ihrem Aufruf hieß es: “Der 13. August hat die Einheit und Geschlossenheit der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik gezeigt. Auch wir in unserem Dorf sind eine feste Gemeinschaft. In der Nationalen Front sind alle demokratischen Kräfte des Dorfes vereint und arbeiten unter der Führung der Partei der Arbeiterklasse zusammen.
Diese Gemeinschaft hat sich in den letzten Tagen erneut bewährt.
Wir haben die besten Genossenschaftsbäuerinnen und -bauern für die neue Volksvertretung ausgewählt, die sich in Versammlungen der Haus- und Hofgemeinschaften persönlich vorstellten ...
Wir haben uns das Ziel gestellt, bis zum 17. September 1961 einen Planvorsprung von 10 Tagen zu erreichen und bis zum Jahresende zu halten. (...)
Wir setzen unsere ganze Ehre daran, das von uns gegebene Wort zu halten, so wie es Bauernart ist.
Darum werden wir den Volkswirtschaftsplan in Getreide bis zum 17. September und in allen tierischen Produkten bis zum 20. Dezember 1961 erfüllen ...
(...) Jede gute Tat stärkt unsere Republik.
Wir rufen alle landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften auf, unserem Beispiel zu folgen, durch Erfüllung und Übererfüllung des Volkswirtschafts-planes unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat zu stärken, den Albins-hofer Wettbewerb siegreich zu Ende zu führen und damit den westdeutschen Militarismus zu bändigen.“ (7)

Mit der Sicherung der Staatsgrenze wurden die Bedingungen für den weiteren Aufbau des Sozialismus und für die Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung geradezu schlagartig erhöht. In dem Maße, wie die positiven Wirkungen der Maßnahmen vom 13. August 1961 bei den Bürgern spürbar wurden, überzeugten sich mehr und mehr Bürger von ihrer Richtigkeit und Notwendigkeit.
Immer mehr Menschen in der DDR waren bereit, sich für ihren Staat einzusetzen, die Übereinstimmung zwischen Partei, Staat und Volk wuchs spürbar.
Für das gleiche Geld mehr leisten, war zunächst keineswegs überall eine populäre Losung. Aber je mehr und besser produziert wurde, je mehr sich die Läden füllten, das alltägliche Leben sich verbesserte, um so mehr Werktätige konnten gewonnen werden, sich der Bewegung zur Stärkung der Republik anzuschließen. Immer sichtbarer wurde auch, welch immenser Schaden durch die verbrecherische Ausnutzung der offenen Grenze durch imperialistische Kräfte und kriminelle Elemente entstanden war. Die Werktätigen verstanden, daß das Produktionsaufgebot die richtige Losung zur richtigen Zeit war, um die durch die früher offene Grenze entstandenen Schäden so rasch wie möglich zu mindern und der Volkswirtschaft der DDR neuen Schwung zu verleihen.
Mit dem 13. August 1961 trat die DDR in eine neue Etappe ihrer Entwicklung ein. Sie hatte erfolgreich die Aggression des Imperialismus zurückgewiesen und war aus den Ereignissen politisch und ökonomisch gestärkt hervorgegangen. Unter der Führung der SED mit Walter Ulbricht an der Spitze erreichte die DDR in den 60er Jahren ein Höchstmaß an Übereinstimmung mit den Interessen der Werktätigen und ein Höchstmaß an Zustimmung zu ihrer Politik. Alle Bereiche des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens blühten auf. Die Menschen leisteten nicht nur mehr, sie konnten sich auch mehr leisten. Die Läden füllten sich mit guten, erschwinglichen Waren. Das kulturelle Leben wurde bunter und vielfältiger. Viele der besten und beeindruckendsten Kunstwerke der DDR entstanden in dem Jahrzehnt nach 1961. Ein neues, besseres, schöneres Lebensgefühl entwickelte sich.

Der 13. August 1961 hatte bewiesen: Der Sozialismus war stark und siegreich, wenn seine Völker, Parteien und Führer einig und solidarisch waren, wenn eine Politik der Standhaftigkeit und der Klarheit betrieben wurde, die fest und unerschütterlich auf den Prinzipien des Marxismus-Leninismus beruhte und wenn die Parteien in vertrauensvollem Zusammenwirken und in Übereinstimmung mit den Interessen des werktätigen Volkes handelten.

Uwe Langer

(1) BRD General Adolf Heusinger in Neue Zürcher Zeitung, Fernausgabe, 30. Juni 1961
(2) Münchner Merkur, 24./25. Juni 1961
(3) Bonner Rundschau, 9. Juli 1961
(4) Dokumente zur Außenpolitik der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, Bd. IX. Vom l. Januar bis zum 31. Dezember 1961,
Berlin 1962, S. 151-154.
(5) Neues Deutschland (B) (Berlin), 14. August 1961
(6) Neues Deutschland (B) (Berlin), 7. September 1961.
(7) Neues Deutschland (B) (Berlin), 10. September 1961

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:45 

Beiträge: 462
AN NUMA POPULLUS:
Es ist doch schon ein widerspruch das einerseits der brd-bürger mit samthandschuhen angefasst wurde und weiterhin unserer volkswirtschaft und moral in der bevölkerung schwersten schaden zufügen konnte, andererseits der gemeine ddr-bürger ungeachtet persönlicher verdienste und politischer zuverlässigkeit an der AUSREISE aus der ddr massiv gehindert wurde, aber feststand das ca 95%, auch der gut ausgebildeten, zurückkehren würde. Selbst wenn er 3 oder 5 jahre in der BRD "sein Glück versuchte" aber dann geläutert zurückkehrt und ohne probleme sich wieder in die sozialistische gesellschaft eingliedert, dann ist das doch viel besser als wenn er aufgrund falscher sehnsüchte in seiner umgebung herumsabotiert und somit viel größeren schaden anrichtet. Schließlich hilft es häufig am meisten wenn man so richtig auf die schnauze fliegt und danach aber doch die richtige entscheidung trifft.
Wenn ein ddr-bürger eine für den staat teure Ausbildung anfing so hätte er vor die wahl gestellt werden müssen: entweder du machst hier die ausbildung und gibst dafür dein erworbenes wissen zum wohle aller an die gesellschaft zurück (wozu er aber auch nicht gezwungen werden darf!), oder du gehst gleich in den westen und wirst "glücklich". Von solch einem Angebot hat wohl keiner in einer solchen situation je gestanden. Dies wäre aber ehrlich gewesen.

-Ist es nicht verständlich, daß die DDR dafür Sorge trägt, daß die bei ihnen teuer und gut ausgebildeten Fachkräfte nicht, wie man damals sagte, "rübermachen"?-

Diese Verfahrensweise ist einfach unehrlich und eines kommunisten nicht würdig nach dem motto : du hast mittel der gesellschaft verbraucht, also arbeite deine schuld gegenüber der gesellschaft ab! Ein Zuhälter behandelt seine "Nutten" auch nicht anders! (dies ist jedenfalls die logische schlussfolgerung deiner aussage)

-Wenn du dich mit der Geschichte der Gründung der DDR beschäftigst, wirst du bald sehen, was für einen massiven und erbarmungslosen Feldzug der Westen von Beginn an gegen die Sowjetische Besatzungszone/DDR geführt hat. Die Liste der Anschläge, Spionagefälle und Morde ist sehr lang.-

Wäre es dann nicht logisch und konsequent gleich die grenzen für alle bürger des imperialismus dichtzumachen? Auf das sie erst gar keinen schaden anrichten können.

-Ob die Personen minderjährig sind, sieht man in der Nacht (wo Fluchtversuche doch unternommen werde, oder?), wohl eher nicht. Ein sehr schönes Argument hat auch Torsten hier im Forum zu dieser Frage beigebracht: Wie verantwortlich ist es von den Eltern, ihr Kind an Orte mitzunehmen, von denen sie wissen, daß dort auch auf ihr Kind geschossen werden kann?-

Warum konnte der minderjährige nicht einfach die grenze über die normalen grenzschalter verlassen (natürlich mit genehmigung seiner eltern etc.) dann wäre er gar nicht erst in eine solche situation gekommen, oder musste auch er die in ihn gesteckten ressourcen erstmal "abarbeiten".

Zum thema mündiger Bürger:
Man sollte andere menschen nie genauso beurteilen wie sich selber. Das gesellschaftliche sein bestimmt das Bewußtsein, warum bist du dir da so sicher das er sich auch nach 20 jahren gesellschaftlichen eigentum an produktionsmitteln immer noch dumm verhält und freiwillig die freiheit aufgibt?
Zu 1989 hat insbesondere Thorsten gute arbeiten angefertigt die eben auch schwere fehler der partei insbesondere der parteiführung zu tage fördern die das überlaufen weiter teile des proletariats zum klassenfeind nachvollziehbar erscheinen lassen. obwohl das natürlich objektiv eine riesige dummheit war!
Zu 1933:
Die schuld an der machtergreifung der nazis trägt natürlich einzig und allein die bourgousie. Die einzige macht die das verhindern konnte war die kpd die aber zu diesem zietpunkt einfach zu schwach und somit das proletariat nicht in der Lage dies zu verhindern. auch hier erklärt eben das gesellschaftliche sein das bewußtsein. der klassenkampf wurde im proletariat ausgefochten und das reaktionäre war einfach stärker als das revolutionäre (vielleicht weil noch privatkapitalistisches eigentum an prod-mitteln bestand? ).

Die teilweise harte formulierung soll keine Beleidigung deiner person sein, deine integrität als kommunist ist selbstverständlich klar, ich mag halt harte offene faktenreiche formulierung (da ist mein vorbild stalin Wink)


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:47 
Administrator
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Beiträge: 4023
Zitat:
Es ist doch schon ein widerspruch das einerseits der brd-bürger mit samthandschuhen angefasst wurde und weiterhin unserer volkswirtschaft und moral in der bevölkerung schwersten schaden zufügen konnte,


Falsch. Wer unsere Wirtschaft geschadet hat, wurde nicht mit Samthandschuhen agefasst. Egal ob aus der DDR oder der BRD. Oder?

Zitat:
andererseits der gemeine ddr-bürger ungeachtet persönlicher verdienste und politischer zuverlässigkeit an der AUSREISE aus der ddr massiv gehindert wurde, aber feststand das ca 95%, auch der gut ausgebildeten, zurückkehren würde.


Geschätzt die Zahl oder sicher?

Zitat:
Selbst wenn er 3 oder 5 jahre in der BRD "sein Glück versuchte" aber dann geläutert zurückkehrt und ohne probleme sich wieder in die sozialistische gesellschaft eingliedert,


Die Frage ist, wer kommt wieder? Der Assi, der es schon hier zu nichts gebracht hat oder der Arzt, der drüben seine Villa und seinen BMD verdiente?

Zitat:
dann ist das doch viel besser als wenn er aufgrund falscher sehnsüchte in seiner umgebung herumsabotiert und somit viel größeren schaden anrichtet.


Ihn über diese falschen Sehnsüchte aufzuklären, das ist uns nicht gelungen. Deshalb haben '89 alle nach Bananen geschriehen und erst später gemerkt, was sie dafür bekommen haben.

Zitat:
Wenn ein ddr-bürger eine für den staat teure Ausbildung anfing so hätte er vor die wahl gestellt werden müssen: entweder du machst hier die ausbildung und gibst dafür dein erworbenes wissen zum wohle aller an die gesellschaft zurück (wozu er aber auch nicht gezwungen werden darf!), oder du gehst gleich in den westen und wirst "glücklich".


Da ist ein Widerspruch. Einerseits sagst Du, man soll ihn vor die Wahl stellen, bleib oder geh gleich, aber anderseits darf er nicht gezwungen werden anschließend zu bleiben. Demnach hätte er hier sagen können, er bleibt, seine Ausbildung machen können, aber dann doch nicht gezwungen werden, hier zu bleiben.

Zitat:
Von solch einem Angebot hat wohl keiner in einer solchen situation je gestanden. Dies wäre aber ehrlich gewesen.


Wie hättest Du geantwortet? Und hättest Du Dich nach dem Studium an Dein Ehrenwort gehalten?

Sven, was hätte man denn Deiner Meinung nach machen sollen? Alle guten Kräfte ziehen lassen, wenn diese es wollten? Einem Arzt oder einem studierten Architekten wäre es in der BRD wahrscheinlich gut gegangen. Also wäre er dort geblieben.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:47 
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Beiträge: 66
Ja, zur Frage der Abwerbung und der Kriegsvorbereitungen habe ich Bild- und Tondokumente. Zum Beispiel die Drohung Franz-Joseph Strauß´ mit dem Atomkrieg und die Hetze des RIAS habe ich auf Kassette bzw.CD.
Aber ich kenne die Hetze des RIAS auch noch aus dem Radio.....
Was die dummen Gesichter der Westpolitiker und Militaristen nach der Grenzschließung am 13.August 1961 betrifft (ja, besonders auch von Willi Brandt..), das habe ich auf Video. Es heißt "Schaut auf diese Stadt" und ist ein DDR-Dokumentarfilm von 1962. Ich könnte jedesmal feiern, wenn ich Brandts dummes Gesicht nach der Grenzschließung sehe..
Und das, was der Webmaster schreibt über die "Assis", die zurückgekommen wären, die Ärzte z.B. aber nicht, da kenne ich ein Beispiel aus meinem Ort und Umgebung.
Mein Ort ist eine ehemalige Grenzstadt (zur BRD) und vom Nachbardorf ist mal einer über die Grenze abgehauen.....
Nachdem er drüben keinen Erfolg hatte, stand er jeden Tag an der Grenze und hat gebettelt, daß sie ihn wieder `rüberlassen. Da hat aber kein Weg hineingeführt. Der konnte erst nach der Grenzöffnung wieder her.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:47 

Beiträge: 237
Zitat:
-Ist es nicht verständlich, daß die DDR dafür Sorge trägt, daß die bei ihnen teuer und gut ausgebildeten Fachkräfte nicht, wie man damals sagte, "rübermachen"?-

Diese Verfahrensweise ist einfach unehrlich und eines kommunisten nicht würdig nach dem motto : du hast mittel der gesellschaft verbraucht, also arbeite deine schuld gegenüber der gesellschaft ab! Ein Zuhälter behandelt seine "Nutten" auch nicht anders! (dies ist jedenfalls die logische schlussfolgerung deiner aussage)

Der Sozialismus stützt sich eben nicht auf verträumt-moralische Grundsätze, wie das den meisten unwissenschaftlichen Weltverbesserern vorschwebt. Der Sozialismus ist eine Übergangsgesellschaft und trägt noch viele Merkmale der bürgerlichen Gesellschaft und des bürgerlichen Denkens. Dieses ist ein egoistisches Denken, welches immer wieder dazu führt, Anderen zum eigenen Nutzen Schaden zuzufügen.

Der Gemeinnutz kann also nur umgesetzt werden, wenn er durch strukturellen Zwang gesichert wird. Jeder soll der Gemeinschaft nutzen, damit diese jedem Einzelnen nutzt. Wer diesen Grundsatz verletzen will, muß daran gehindert werden. Die DDR-Flüchtlinge überschritten die Grenze ja nicht, um dem Proletariat in den kapitalistischen Ländern zu dienen, sondern aus egoistischen Motiven objektiv den Kapitalismus zu stärken.

Kommunisten sind keine dummen Gutmenschen, die sich selbstaufopfernd auch für die einsetzen, die ihnen und der Gemeinschaft schaden. Dafür gibts zur Genüge Leute wie Mutter Teresa, Albert Schweitzer und andere Spinner. Solange der Egoismus nicht beseitigt ist, muß er unterdrückt werden. Nur dadurch kann auch der Lerneffekt einsetzen, daß Gemeinnutz die objektiv beste Verhaltensweise für Alle ist.

Die Grenzsicherung war richtig (und wäre sogar viel früher nötig gewesen). Die zunehmende Lockerung der Reisebeschränkungen zeigte auch den Funktionswandel von der Doppelfunktion als antiimperialistischer Schutzwall und Damm gegen personelles Ausbluten in Richtung der antiimperialistischen Schutzfunktion.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:48 
Literat

Beiträge: 2947
Auf einiges besondere hat Daniel schon angemessen reagiert. Darauf brauche ich also nicht einzugehen. Zur allgemeinen Problematik hat Torsten Stellung genommen. Und da gibt es aber, wie das eben so ist, noch einiges mehr dazu zu sagen. Ich versuche es demnach etwas allgemeiner. Ich nehme dir deine Ausdrucksweise nicht, wie du vermutest, übel, räume aber ein, daß mir lieber gewesen wäre, daß du – anstatt meine Integrität als Kommunist hervorzuheben – meine Argumentation nachvollzogen hättest. Bitte nimm mir das jetzt nicht übel, aber mit mancher deiner Antworten auf meine Antworten bist noch unter das Niveau deines ersten Textes zurückgefallen. Ich denke, du gehst viel zu sehr vom einzelnen Fall aus und das trägt natürlich die Möglichkeit zum Subjektivismus in sich. Der einzelne Fall ist nicht unwichtig, aber wenn es um die Kunst der staatliche Leitung geht, steht er natürlich an zweiter Stelle. Wie in der Wissenschaft das Allgemeine über dem Besonderen steht, so steht auch in der Politik das Allgemeinwohl über dem Wohl des Einzelnen. Letzteres soll – nach Möglichkeit – immer angestrebt werden, aber stets nur dann, wenn es dem Allgemeinwohl nicht zuwiderläuft. Ich wiederhole an dieser Stelle noch einmal, weil jetzt hoffentlich klar wird, was ich damit gemeint habe: Diese ganz Grenzproblematik ist nicht widersprüchlicher als Politik und Geschichte immer sind.
Die geschichtliche Lage zwischen 1945 und 1990 war auch nicht unwidersprüchlich. In jedem Fall war sie gekennzeichnet von einem sich stets verschärfenden Klassenkampf. In einer solchen Situation gibt es, wenn wir obiges Strategem sehr zuspitzen – wozu wir das Recht haben, weil die historische Situation eine sich zuspitzende ist –, am Ende nur noch ein gültige Gesetz: Das Selbstverteidigungsrecht des Staates. Mit Hinblick auf die Zukunft ausgesprochen: Der Sozialismus kann nur über das Allgemeinwohl das persönliche Wohl des Einzelnen herstellen und ein Recht auf Selbsterhaltung wollen wir ihm doch zubilligen.
Und das führt mich zu einer deiner konkreten Aussagen, über die sich Daniel etwas lustig gemacht hat. An dieser Aussage möcht ich gern exemplifizieren, wie schlecht durchdacht sie ist. Es gibt noch weiteres in deinem Text, was diese Qualität besitzt. Nimm das Exempel also bitte als Anstoß, auch über die Haltbarkeit deiner anderen Aussagen nachzudenken.
Du schriebst: "andererseits der gemeine ddr-bürger ungeachtet persönlicher verdienste und politischer zuverlässigkeit an der AUSREISE aus der ddr massiv gehindert wurde, aber feststand das ca 95%, auch der gut ausgebildeten, zurückkehren würde."
Man muß nicht zweimal hinsehen, um zu erkennen, wie blauäugig das ist.
Die 95% waren, nehme ich an, symbolisch gemeint. Ich werde mich daher jedes Kommentares dazu enthalten, da ich keine Lust habe, witzig zu sein, wo sich die Witze von selber schreiben, wie man an der Antwort von Daniel sieht.
Wieso stand fest, daß die Mehrzahl der gut ausgebildeten DDR-Bürger zurückkehren würde? Stand nicht eher das Gegenteil fest? Ist es nicht eher so, daß wir es mit Söhnen und Töchtern von Familien zu tun hatten, die in der Mehrzahl im Nazireich mitgemischt haben oder zumindest mitgelaufen sind, deren Väter begeistert in den Krieg gezogen sind, weil sie auf ein kleines Herrengut mit slawischen Sklaven an der Wolokolamsker Chaussee hofften?
Und vor allem, für wen stand es fest? Gibt es auch nur einen Zeitgenossen, der sie alle beisammen hatte, der diese deine Ansicht damals geteilt hat? Niemand hätte diese Möglichkeit in Erwägung gezogen, weil sich jeder noch gut daran erinnern konnte, was täglich passiert ist, als die Grenzen noch offen waren. Der wirtschaftliche Schaden, der durch Abwerbung, Sabotage, Schmuggel, Pendler und was dergleichen mehr ist, entstanden ist, läßt sich heute nur noch schätzen, aber er war gigantisch.
Und dann stört mich noch dein "gemeiner DDR-Bürger". Würdest du etwa die Behauptung wagen, daß die Mehrheit der Menschen dazu neigt, in Weltdingen vernünftig zu sein? Ich denke, diese Auffassung, die du offenbar wirklich hast, läßt die Weltfremdheit und Unklogik deiner Argumentation am deutlichsten hervortreten. Zu allen Zeiten teilt sich die Menschenmasse in drei Teile: in einen fortschrittlichen, in dem die klügsten sich wiederfinden, der aber auch der kleinste Teil ist; in einen rückschrittlichen; und in einen schwankenden. Der letzte Teil ist nicht nur der zahlenmäßig größte, sondern auch der, in dem die meisten Flachköpfe sich wiederfinden. Mit diesen Leuten macht man Politik, weil sie die Mehrheit bilden. Während die Konterrevolution nun (also zum Beispiel 1933 und 1989) ihre niedersten Instinkte anspricht und ausnutzt, muß der Sozialismus aber sie bei ihrer Ehre packen und an ihre Vernunft appellieren. Doch nicht ohne sich darüber bewußt zu sein, daß er jenes Ziel bei diesen Subjekten niemals ganz, vermutlich nicht einmal annähernd, wird erreichen können.
Ich vermute, daß dich meine Überlegung sehr erschüttern wird. Hat sie das nicht, um so besser. Aber man soll bei seiner Bewertung der realen Verhältnisse stets die Wirklichkeit als Maßstab anlegen und nicht diese Maßgabe durch eine irgendwie positive Hoffnung ersetzen, nach der sich die stattgehabte Geschichte zu biegen hat, was bei dir leider der Fall ist.
Ich bin am Ende mit meinem Exempel und hatte ja bereits erwähnt, daß sich hierfür auch jede Menge andere Gedanken anbieten, die du niedergeschrieben hast. Manches ist auch so ärgerlich genug. Wenn du allen Ernstes den Staat mit einem Zuhälter vergleichst, nur weil zwischen ihm und seinen Mitgliedern eine Geben-Nehmen-Verhältnis besteht, von dem übrigens beide mehr Vorteile haben als Nachteile, dann überforderst du die Trefflichkeit dieses Vergleiches derart, daß so etwas Krudes dabei herauskommt, wie Herrn Eugen Dürings Behauptung, die Prostitution sei die "selbstverständliche Ergänzung der Zwangsehe". Wie Friedrich Engels auf diese Aussage reagiert hat, ist übrigens auch äußerst lesenswert.
In einer Sache gebe ich dir aber recht: Es wäre folgerichtig gewesen, die Grenzen auch für die Bürger imperialistischer Staaten dicht zu machen, oder besser: schärfere Einreisekriterien zur Geltung zur bringen. Daß dem nicht so war, ist aber auch wieder nicht ganz unbegründet. Es hat vor allem zwei Ursachen. Zum einen begann sich in den Sechziger abzuzeichnen, daß der RGW von den meisten Ländern (aber nicht von der DDR) nur sehr halbherzig betrieben und wenig ernst genommen wurde. Der RGW wäre eine gute Grundlage gewesen, eine sozialistische Welt aufzubauen, die immer weniger vom äußeren Kontakt mit der kapitalistischen Welt abhängig ist. Das betrifft vor allem Außenhandelsfragen. Und da wurden oft auch politische Konzessionen in den Warentausch miteingebunden. Die zweite Ursache ist natürlich die des sozialistischen Verfalls, der – in der DDR – mit Mittags Wirtschaftspolitik seinen Anfang nahm. In diesem Zusammenhang setzte eine zunehmende Liberalisierung ein, die aber in der Grenzfrage nur in eine Richtung wirken konnte, da durch die wachsende Unhaltbarkeit der inneren Zustände die Lust der Bewohner an der Migration in Richtung Westen stieg. In dieser Zeit änderte sich einiges im gesellschaftlichen Überbau der DDR. An die Stelle offener Debatten und inhaltlicher Überzeugungsarbeit traten nun die tönende Leere der Parteitagsreden Honeckers und eine verschärfte Überwachung seitens des MfS. Ich sage nicht, daß das schön ist. Ich sage aber, daß die DDR in dieser Phase nur so überleben konnte.
Diese beiden Ursachen entstehen, wie du hoffentlich weißt, vor allem am Anfang der Siebziger Jahre und wirken bis zum Ende der DDR. In den Sechziger Jahren ging man mit dem Thema bekanntlich anders um. Ich gebe ein schönes Beispiel. 1961 (also in einem Jahr, das dir in Bezug auf Grenzfragen etwas sagen müßte) fand in Hamburg, im Rahmen eines von der ZEIT initiierten Treffens westdeutscher Autoren mit Mitgliedern des PEN-Clubs Ost und West, ein Streitgespräch statt. Zu Beginn der Diskussion erzählt Dr. Gerd Bucerius, Verleger der ZEIT und CDU-MdB, die nette Geschichte, wie schwer es einem seiner Journalisten gemacht wurde, in die DDR einzureisen: "Einer aus unserer Redaktion hat es kürzlich probiert und hat da bei der zuständigen Stelle in Ost-Berlin um eine Genehmigung nachgesucht, und man hat ihm nichts gegeben. Sie ist nicht total verweigert worden, keineswegs. Man hat gesagt, nun, wir haben Ihre Zeitschrift seit einigen Jahren gelesen und sie gefällt uns nicht. Die Art und Weise, in der Sie über uns berichten, sagt uns nicht zu, aber, haben sie gesagt, wir gucken uns die Zeitschrift jetzt mal ein halbes Jahr an. Wenn es besser wird ... (Gelächter)". An solchen schönen Fällen sieht man sehr gut, was außer den vielen bekannten Dingen in der späten Zeit der DDR auch noch verlorengegangen ist: Nämlich das Selbstbewußtsein. Ich mache es kurz: Wer merkt, daß er nicht gewinnt, verliert viel mehr, als daß er nur verliert.
Ich komme zu deinen letzten drei Bemerkungen, beziehungsweise Fragen.
Nochmal zum mündigen Bürger: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein, sagst du, sag ich, sagt Marx. Da haben wir drei also keine Probleme. Aber offenbar wissen Marx und ich, was für eine Art von Gesetz dieser Satz beschreibt. Dieses Gesetz greift als Bewußtseinsgesetz vor allem in letzter Instanz, wie Engels es sagt. Nicht alle Gehirnregungen sind aus den ökonomischen Verhältnissen erklärbar. Eigentlich ist nur eine bestimmte, freilich sehr wichtige, Sorte der Gehirnregung aus diesem Gesetz erklärbar. Und zwar diejenige, die sich – einfach ausgedrückt – mit den Fragen des Überlebens beschäftigt. Der gesellschaftliche Überbau (Politik, Moral, Justiz, Ideologie usf.) hat im Grunde eine viel größere und vielfältigere Wirkung auf das menschliche Gehirn. Und wenngleich also der Mensch durch Form (Überbau) und Inhalt (Basis) der Gesellschaft geprägt ist, und also auch ihre Entwicklung mitmacht, gibt es einen abgesteckten Bereich, in dem das nur stattfinden kann; und zwar ist er abgesteckt durch die menschliche Seele (griechisch: psyche). Die Art Veränderung, die die Gesellschaft beim Menschen bewirkt, ist nicht eine Verwandlung, sondern eine Formung. Man stelle sich diesen Sachverhalt am besten an dem Beispiele eines Stücks Knete vor: Ich kann entscheiden, was für eine Figur ich forme. Aber das Material ist das gleiche. Man sollte also möglichst vorsichtig sein mit Behauptungen über die Zukunft des Menschen, die auf irgendeiner Überlegung, dergestalt, daß bestimmte seelische Grundmuster aus der Natur des Menschen verschwinden werden, basieren. Diese Überlegungen vorausgeschickt, kann ich also deinen Vorwurf, ich würde die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins abstreiten, zurückweisen und entgegne hernach auf deinen dortigen Gedankengang so: Der Sozialismus hat im Bewußtsein der Menschen doch gewaltige Veränderungen bewirkt. Ich leugne das nicht; ich könnte ebensogut den geschichtlichen Verlauf an sich leugnen. Aber daß neue Bewußtseinsformen entstehen, heißt nicht, daß nicht alte nebenher auch noch eine ganze Weile bestehen können. Der Sozialismus ist niemals eine völlig autonome Gesellschaftsformation gewesen, der es möglich war, auf den Menschen ungestört einzuwirken. Vom Westen her schwappte jede Menge Verdummung herüber und auch das hatte schlimme Folgen. Und schließlich bitte ich zu bedenken, daß auch in der besten aller möglichen Welten solch wunderbare Dinge wie Eigennutz, Subjektivismus, Dummheit und Rücksichtslosigkeit in vielen Körper gedacht und gefühlt werden. Ich habe oben wohl hinreichend begründet warum.
Zu 1989 sind wir wohl der gleichen Ansicht. Ich habe niemals gesagt, die Partei habe keine Fehler gemacht. Übrigens macht jede Partei zu jeder Zeit viele Fehler. Es kommt vor allem darauf an, ob sie im Grundsatz richtig liegt.
Was 1933 angeht, so muß ich allerdings noch mal kurz einhaken. Die Schuld an der Machtübernahme trägt nicht allein die Bourgeoisie. Ohne die freundliche Mithilfe des Kleinbürgertums (jener schwankenden Masse, die ich oben beschrieb) wäre es zu keiner Machtübernahme der Faschisten gekommen. Was du meinst, ist wohl, daß der Faschismus ausschließlich der Bourgeoisie genützt hat, aber das ist eine ganz andere Frage und gehört nicht in unseren Zusammenhang. Ich habe 1933 als Beispiel dafür herangezogen, daß das Volk zuweilen auch großen Unfug machen kann. Ich habe nicht versucht, die Entstehung des Faschismus zu erklären. Ich kenne letztere Materie ziemlich gut und muß mich sehr darüber wundern, wie man mit derartig verengten und einseitigen Gedanken wie "Die schuld an der machtergreifung der nazis trägt natürlich einzig und allein die bourgousie" dem Faschismus als historische Erscheinung, politische Bewegung und Zweckideologie beikommen möchte.
Ich schließe also ab mit einem letzten prinzipiellen Hinweis. Wenn man über geschichtliche Ereignisse nachdenkt und in einem besonderen Fall zum Schluß kommt, diese oder jene Sache wäre grundfalsch gewesen, ist man meistens auf der falschen Spur. Lieber soll man fragen, warum ist dieses oder jenes so und nicht anders gewesen; und in den meisten Fällen (so auch in unserem) finden sich die Ursachen. Und da hilft es dann auch nicht, irgendwelche hohen Ansprüche, die ein Sozialismus angeblich zu erfüllen habe, in die Luft zu pusten. Worauf es uns vor allem ankommen sollte, ist die Realität. Oder, mit Peter Hacks zu sprechen: Verwechseln Sie nie die Landkarte mit einer Landschaft!

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:48 
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Zum Thema Kalter Krieg gegen die DDR noch zwei Literaturhinweise für die Träumer unter uns:

Robert Allertz, Im Visier die DDR, Edition OST
Knut Holm, Chronik des Kreuzzuges gegen die DDR, Spotless

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:48 
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Der Artikel von Uwe Langer, den Daniel zitiert, hat mir sehr beim Verständnis dieser Thematik geholfen. Für mich, der in der BRD mit ihren bürgerlichen Massenmedien (Lügenpropaganda) aufgewachsen ist, erschließt sich die Wahrheit über den Bau des antiimperialistischen Schutzwalls nämlich durchaus nicht sofort.
Deshalb bin ich für jede ehrlichen Diskussion zu diesem Thema dankbar, denn das ist auch für mich eine wertvolle Argumentationshilfe. Ich kann mich an dieser Stelle voll der Argumentation von NumaPompilius anschließen.

Mein Standpunkt steht fest: Ich bin der Auffassung, dass der Bau des antiimperialistischen Schutzwalls am 13.12.1961 war richtig und notwendig war. Ich rede hier ausdrücklich nicht von irgend einer "Mauer" sondern von antiimperialistischen Schutzwall, weil dies auch der Sinn dieser Baumaßnahmen war. In einer logistischen Meisterleitung hatten die beteiligten Kräfte vor allem auch die Kampfgruppen der Arbeiterklasse diese notwendigen Maßnahmen getroffen. Der anschließende Aufbau des Sozialismus mit seinen erfolgen währe nicht möglich gewesen ohne diesen Schutz.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:48 

Beiträge: 237
Zitat:
Der anschließende Aufbau des Sozialismus mit seinen erfolgen währe nicht möglich gewesen ohne diesen Schutz.


Seitens der Kapitalistenmedien wird natürlich die Funktion nach außen totgeschwiegen, welche die DDR-Grenzsicherungsanlagen hervorragend erfüllten, und die Funktion nach innen betont. Aber auch diese Funktion gegen die Abwerbung vom Staat gut ausgebildeter Fachkräfte war bedeutsam.

Was gern vergessen wird: in den letzten Jahren wurden die Reise- und Ausreisebestimmungen wesentlich gelockert. Die direkte Anschauung des Kapitalismus hätte uns vielleicht vor der '89er Konterrevolution bewahrt. 1/2 Stunde Karl-Eduard pro Woche konnte das nicht ersetzen - gegenüber mit Einführung des Satellitenfernsehens hunderten Stunden Goldener-Westen-Propaganda und dem medial breitgewalzten Zucker-in-den-Arsch-von-Flüchtlingen-blasen - welches mit Grenzöffnung natürlich eingestellt wurde, aber da war das Verblödungs- und Verhetzungswerk bereits getan. Das Erwachen dauerte Jahre und hat bei Vielen selbst jetzt noch nicht stattgefunden.

Die Grenzsicherungsanlagen der DDR sind ein Monument der Selbstbestimmung der Arbeiterklasse über ihr Schicksal. Und da keine "Weltrevolution" stattfinden wird, wird es neue geben. Das ist nicht schön - Tote sind niemals schön, selbst wenn es die schlimmsten Feinde sind - aber der Kapitalismus und seine Nachwehen sind eben nicht schön und machen solche Maßnahmen notwendig.

Wer kann die Pyramiden überstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.

Peter Hacks, Die Gedichte, Hamburg 2000


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BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:49 
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Natürlich waren Mauer und Stacheldraht zur Grenzabsicherung der DDR lebensnotwendig! Eine laxe Grenzhaltung hätte die DDR ökonomisch ausbluten lassen.
Zum Thema Staatsgrenze (DDR) gibt es im Allgemeinen nur 2 Auffassungen: entweder "weg mit der Grenze"- in Form von Mauer u. Stacheldraht, oder "genau so mußte es sein". Vielleicht wäre aber auch eine 3. Variante in einer der aufgezeigten Formen möglich gewesen..z.B.: 1. statt Scharfschüsse nur Betäubungsgeschosse (Empfehlung von Manfred von Ardenne) 2. jeder Republikflüchtling der in den kapitalistischen Westen verduften will, meldet sich beim DDR-Staat ab und bekommt nach Einzug seines Eigentums die Ausreiseerlaubnis 3. die Grenze ist durch Stacheldrahtrollen zu sichern, der Flüchtling erreicht nur kriechend das kapitalistische "Ufer". Das hätte wohl viele abgeschreckt 4. die DDR hätte eine Ausreisequote festlegen können - so wie das von Zeit zu Zeit in Kuba geschieht 5. Ausreisewillige können die DDR verlassen, wenn sie die in der DDR erworbenen Qualifikationen zuvor beim Staat abgeben - nach dem Motto "sieh dann zu, wo Du bleibst"


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:49 
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Egal was die DDR getan hätte, selbst wenn jeder mit 1000 Mark Abschiedsgeld hätte gehen können, der Westen hätte gemeckert.

Das Problem war doch weniger, das wir unsere Grenze gesichert haben sondern vor allem, das von Seiten des Westens kein Einfluss möglich war. Das hat die natürlich mächtig gewurmt.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:49 

Beiträge: 181
Diese Diskussion gefällt mir. Schade nur, dass ich nicht mitreden kann


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:49 
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Tja, die neutralen Schweizer halt, mischen sich nirgends ein. Wink

Dafür haben sie in der Züricher Altstadt auch noch wunderschöne, jahrhundertealte Häuser stehen.

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BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:50 

Beiträge: 181
Zitat:
Tja, die neutralen Schweizer halt, mischen sich nirgends ein.

Dafür haben sie in der Züricher Altstadt auch noch wunderschöne, jahrhundertealte Häuser stehen.


Ja, dank unserer Feigheit. Die Habsburger haben wir jedenfalls vertrieben, das ist doch schon mal was, net?


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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:50 
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Zitat:
Ja, dank unserer Feigheit. Die Habsburger haben wir jedenfalls vertrieben, das ist doch schon mal was, net?


Und die Nazis habt ihr gar nicht reingelassen. Das war auch was. Wobei man leider auch sagen muss, manchmal waren die Schweizer damals einfach zu neutral, wenn sie Juden abgewiesen haben, anderseits haben sie auch gut am Faschismus verdient. Na zumindest die Kapitalisten.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Antifaschistischer Schutzwall"
BeitragVerfasst: Fr 6. Apr 2007, 21:50 

Beiträge: 2008
Zu Deinen Vorschlägen möchte ich sagen:

1. statt Scharfschüsse nur Betäubungsgeschosse
Die Abschreckungswirkung wäre wohl sehr gering gewesen. Jeder Flüchtling wurde oder sollte zumindest angerufen werden. Danach blieb den Grenzern nicht viel Zeit und es mußte schnell gehandelt werden. Jeder der auf diesem Weg die DDR verlassen wollte, sollte sich des Risikos bewußt gewesen sein und war es sicher auch.
Fragt sich doch, was ging in den Köpfen der Flüchtlinge wirklich vor? Bestimmt andere Gedanken, als in den Köpfen der Afrikaner, die nach Europa kommen wollen oder die Menschen, die über die längste und am besten elektronisch gesicherte Grenze von Mexiko nach Amerika gehen wollen.

2. jeder Republikflüchtling der in den kapitalistischen Westen verduften will, meldet sich beim DDR-Staat ab und bekommt nach Einzug seines Eigentums die Ausreiseerlaubnis

Die Regelungen zur Ausreise sahen wohl derartiges vor. Allerdings gab es unterschiedlich lange "Wartezeiten". Etliche "Ausreisewillige" verkürzten das durch entsprechende politische Handlungen, die den Herrn Dr. Vogel (DDR-Anwalt, der eigentlich nach F.K. Kaul fast alle diese Fragen zwischen DDR und BRD "regelte") auf den Plan riefen und die BRD zum sogenannten Freikauf bewegten. Das waren sicher keine unerheblichen Investitionen für die BRD. In der Summe dennoch Pienatz im Verhältnis zum wirtschaftlichen, ideologischen und politischen Schaden gegenüber der DDR.

3. die Grenze ist durch Stacheldrahtrollen zu sichern, der Flüchtling erreicht nur kriechend das kapitalistische "Ufer".

Davon halte ich nichts. Da hätte die DDR den westlichen Ideologen voll in die Hand gearbeitet. Die BILD hätte sich mit ihren Krokodilstränen selbst ersäuft - was der einzige Nutzen dieser Maßnahme gewesen wäre. Abschreckende Maßnahmen, die im Interesse der Ausreisewilligen liegen sollten, gab es ohnehin genug. Lehrer und leitende Mitarbeiter wurden z.B. nach Abgabe eines Ausreiseantrages sofort auf andere Arbeitsplätze versetzt.

4. die DDR hätte eine Ausreisequote festlegen können
Ich vermute, dass es diese inoffiziel gab. Politbüro und ZK hatten über Bezirks- und Kreisleitungen regelmäßig Vorgaben an die Genossen an der Basis gemacht, in welchem Umfang die Anzahl der Ausreisewilligen zurück zu drängen ist. Das zeigt eigentlich auch die Sinnlosigkeit derartiger Maßnahmen.

5. Ausreisewillige können die DDR verlassen, wenn sie die in der DDR erworbenen Qualifikationen zuvor beim Staat abgeben.

Die BRD hätte die Qualifikationen dennoch anerkannt, denn die Menschen hatten ihr Wissen und ihre beruflichen Erfahrungen ja mitgebracht und es gab sicher von BRD-Seite auch berechtigtes wirtschaftliches Interesse. Gute und sehr gute Fachleute wurden gebraucht und die Ausbildungskosten waren in der BRD auch nicht gerade gering. Allerdings gebe ich Dir recht, dass es eine legitime Forderung von DDR-Seite gab, die Ausbildungskosten einzufordern. Das ist wohl z.T. auch im Rahmen der Freikäufe und weiterer Verhandlungen geschehen. Allerdings wurden da bestenfalls die gegenüber der BRD sicher geringeren Ausbildungskosten beglichen. Die Folgekosten oder anders gesagt, der vorlorengegangene wirtschaftliche Nutzen für die DDR waren wohl nicht bezahlt worden.

Wie auch immer, der Einfluß der westlichen Ideologie, die Konsumverlockungen und die falschen Versprechungen der westl. Politiker haben viele DDR-Bürger zur Ausreise verleitet und viele sind dem Rattenfänger Gorbatschow 1988/89 gefolgt.

Was hätte wohl Gen. Stalin hier gemacht?
Wahrscheinlich Revisionisten wie Chruschtschow, Breshnew und Gorbatschow an die Wand gestellt und die politische und wirtschaftliche Auseinandersetzung gesucht. Stalin hat die Sowjetunion in gut 30 Jahren vom Hakenpflug zur Atombombe geführt. Die Grundlagen für die Raumfahrterfolge liegen auch in der Zeit von Stalin. Wahrscheinlich hätte sich unter Stalins Führung das sozialistische Lager bis in die letzten kapitalistischen Winkel dieser Welt ausgebreitet und der Imperialismus hätte nicht Auferstehung sondern seine letzten Atemzüge erlebt. Leider ist diese Entwicklung für die menschliche Zivilisation zunächst einmal ausgeblieben. Sie wird aber zwangsläufig wieder kommen müssen. Das wird nicht ohne immense Opfer für die ausgebeuteten Menschen abgehen.

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»Menschen, ich hatte Euch lieb. Seid wachsam!«
»Ein Mensch wird nicht kleiner, auch wenn man ihn um einen Kopf kürzer macht.«

Julius Fucik, ermordet von den Nazis am 08.September 1943


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