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Also Ich hab was geschrieben. Was sagt ihr denn dazu? Thälmann Artikel Analyse
In der letzen Ausgabe des RatSchlages erschien ein Artikel über Ernst Thälmann. Einige in diesem Artikel erwähnte Auffassungen erfordern eine genauere Analyse. Da eine komplette Analyse den Rahmen des Artikels sprengen würde, wird die Frage des Wirkens Ernst Thälmanns in der KPD in der nächsten Ausgabe erscheinen.
In dem Artikel wird behauptet Stalin hätte seine Möglichkeiten, Ernst Thälmann zu befreien, nicht genutzt. Aber warum sollte Stalin so handeln? Stalin hatte kein Interesse daran, Ernst Thälmann im Gefängnis zu sehen und daraus ist zu folgern, dass er keine Möglichkeiten hatte. Der Deutsch-Sowjetische-Nichtangriffspakt verbündete beide Staaten nicht, sondern verpflichtete sie sich nicht anzugreifen. Aus diesem Vertrag folgte keine besonderen Möglichkeiten in die Souveränität und Rechtssprechung des anderen Staates einzugreifen, um somit die Befreiung von Gefangenen zu vollziehen. Der Nichtangriffspakt wurde der Sowjetunion in einer schwierigen Lage diktiert, somit hatte sie keine großen Möglichkeiten, dies schrieb die Prawda am 23.September 1939: „Die einzige noch mögliche Sache war, die Westukraine, Westbelorussland und die baltischen Länder vor einer deutschen Invasion zu bewahren“. Hätte Stalin Ernst Thälmann befreit, würden Heute die Stimmen jener laut, die Stalin Vetternwirtschaft vorgeworfen hätten, denn dann hätte Stalin, in einer Zeit in der in Deutschland die meisten Kommunisten getötet oder verhaftet waren, Ernst Thälmann nur befreit, weil er ein „eingefleischter Stalinist“ war. So oder so wird Heute die Wahrheit verbogen, damit sie in das Weltbild unserer Gesellschaft passt!
Des Weiteren wird in dem Artikel behauptet, dass es in der Sowjetunion Schauprozesse gegeben hat. Schauprozesse sind öffentliche Gerichtsverfahren, bei der die Verurteilung des Angeklagten im Vorhinein feststeht und die Geständnisse meistens erpresst werden. Diese antikommunistische Behauptung, welche von der Gerüchteküche des faschistischen Deutschlands entstamm, soll dem Zweck dienen, dass es im Sozialismus keine Gerechtigkeit in der Rechtsprechung gibt. Die Gerichtsprotokolle aus der Zeit sind veröffentlicht, somit kann jeder sie einsehen und sich selber vergewissern, dass die Moskauer Prozesse keine Schauprozesse waren. Der Artikel behauptet auch noch, dass auf Befehl Stalins die alten Mitstreiter Thälmanns hingerichtet wurden. Die idealistische Geschichtsschreibung geht davon aus, dass einzelne Männer Geschichte schreiben können, aber wir Kommunisten lehnen diese Art von Personalisierung von der Geschichte ab und somit auch die Theorie eines allmächtigen Diktators. Die Moskauer Prozesse waren für den Sozialismus und den antifaschistischen Kampf von existenzieller Bedeutung, denn sie haben die Verschwörung in der Partei und der Armee gegen den Sozialismus beendet, um den notwendigen sozialistischen Aufbau und den antifaschistischen Widerstand zu ermöglichen. In jeder Rechtsprechung gibt es auch Verurteilungen von Unschuldigen, deshalb wäre es utopisch zu behaupten, dass alle Verurteilten schuldig waren. Die Frage, die sich stellt ist, ob die unschuldig Verurteilten gezielt verurteilt wurden. Dies ist nicht anzunehmen da jede Art von Motiv fehlt und es der Sowjetunion geschadet hätte gezielt Kommunisten zu verurteilen, denn sie hätten sich damit ins eigene Fleisch geschnitten.
Der Thälmann Artikel behauptet, dass durch die Stalinhörigkeit Thälmanns der deutsche Kommunismus seine Eigenständigkeit verloren habe. Thälmann als Marionette Stalins zu sehen, ist von Grund auf falsch, denn jede kommunistische Partei ist souverän, aber Thälmann als Marionette Stalins anzusehen und Stalin zu verurteilen, auf der anderen Seite Thälmann und seine Taten dennoch zu Loben und zu ehren ist paradox. Das Verhältnis der kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder kann familiär bezeichnet werden, denn die Theorie, die Strategie und die Taktik der Parteien werden international diskutiert und weiterentwickelt. Es ist ein kommunistisches Prinzip, dass die Parteien sich gegenseitig kritisieren, damit eine Entwicklung von statten geht, aber dieses Prinzip als Einmischung in die Selbstständigkeit der Parteien zu verstehen ist unangemessen, denn es ist unsolidarisch zu zusehen ohne ein Wort zu sagen, wenn ein Freund oder eine Freundin die gleichen Fehler immer wieder begeht. Der Kommunismus ist kein Dogma und muss deshalb immer auf die jeweiligen Gegebenheiten der verschiedenen Länder angewandt werden, dabei sind aber die Grundprinzipien des Kommunismus immer die selben. In der Zeit von Thälmann gab es zwei große Lager in der internationalen Debatte der Kommunisten. Auf der einen Seite war das marxistisch-leninistische Lager mit Stalin und auf der anderen Seite waren die Trotzkisten. Es ist unverständlich zu behaupten, dass wenn Thälmann sich zu dem Marxismus-Leninismus Lager zugehörig fühlt, dass er dann seine Eigenständigkeit verloren hat, denn Zugehörigkeit negiert nicht die Mündigkeit.
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